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Leserbrief

Der Papst und die Eheannullierungen

Víctor Arévalo, Univ. Prof. Dr. iur.,Auring 56, Vaduz | 24. September 2015

Glaube

Wenn Katholiken ihre Ehen scheiden lassen und wieder heiraten wollen, müssen sie entweder bei den kirchlichen Behörden um die Annullierung ihrer ersten Ehen bitten oder auf ihre Religion verzichten. Annullierungen werden zwar nicht verweigert, aber kosten viel Zeit und Geld. Viel mehr als das, was sich der Durchschnittsbürger leisten kann. Was ergibt sich daraus?
2007 waren 20 Prozent der USA-Bevölkerung katholisch, 2015 sind knapp 20 Prozent katholisch. Solches berichtete «The New York Times» am 8. September als Ergebnis der Pew-Studie, die hinzufügte, dass sich ein Viertel der US-Katholiken scheiden lasse, aber die ärmere Hälfte des Viertels keine Annullierung beantrage und ihre Konfession aufgeben müsse, denn diese Hälfte könne weder die Sakramente empfangen, noch beichten. So büsse die Hälfte aller geschiedenen Katholiken ihren Glauben ein. Wie viel Geld ein Mensch hat, wenn seine Ehe in die Brüche geht, entscheidet darüber, ob jemand zum Himmel oder zur Hölle geht.
Diese Ungerechtigkeit beseitigte der Papst jetzt dadurch, dass er das Verfahren zur Annullierung der Ehe vereinfachte und von Kosten befreite. Dafür genügten zwei Apostolische Schreiben (Motu Proprio), die der Papst am 2. September verkündigte. Er sagte, er wolle mit dieser Reform des Kirchenrechts jenen Katholiken entgegenkommen, die sich «aufgrund physischer oder moralischer Distanz zu oft von den juristischen Strukturen der Kirche abgewendet haben».
Ein Annullierungsverfahren braucht jetzt nur eine einzige Instanz und soll maximal 41 Tage dauern. In Bistümern ohne kirchliche Ehegerichte entscheidet der Bischof selbst darüber oder beauftragt einen Priester mit der Behandlung des Falles. Auf Gebühren wird verzichtet und keine Anwälte sind nötig. Nach der Annullierung ihrer Ehen dürfen geschiedene Gläubige erneut kirchlich heiraten. An die Priester, die Nichtigkeitsentscheide fällen müssen, richtete sich der Papst mit klaren Worten: «Das ist eure schwierige Aufgabe: das Heil der Menschen nicht in juristischen Engführungen einzuschliessen.» Die neuen Rechtsnormen erscheinen wenige Wochen vor der Synode im Vatikan, bei der Kirchenführer aus aller Welt vom 4. bis 25. Oktober über Fragen von Ehe und Familie beraten werden.
Dazu bewegt, diesen Text abzufassen, hat mich der Leserbrief von Herrn Dr. Kurt Büchel aus Triesen, den beide Zeitungen am 15. September veröffentlichten. Er beschreibt trefflich, wie die Lage der geschiedenen Katholiken, die wieder heirateten, in Liechtenstein war.
Jetzt ist es damit seit dem 2. September voll und ganz vorbei. All diese Gläubigen dürfen zurück! Solcher Rückkehr beizustehen, gilt als eine Rechtspflicht der Priesterschaft dem Volk Gottes, der Kirche, gegenüber.
Mit freundlichen Grüssen


Víctor Arévalo, Univ. Prof. Dr. iur.,
Auring 56, Vaduz

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