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Leserbrief

«Unser täglich Brot (…)»

Hans Jaquemar,Rüttigass 35, Nendeln | 23. September 2015

Glaube

Da hat jemand einen grossen Haufen altes Brot vor unserem Gartentor abgeladen – ich nehme nicht an, dass es geschehen ist, um uns vor dem Hungertod zu bewahren oder es für die Hirsche gemeint war. Das teilweise Verschimmelte hätte ihnen nicht gut getan.
Es kann vorkommen, dass uns Brot alt wird; da lässt es sich immer noch verwerten. Aber in solchen Mengen und dann noch so entsorgen? Es könnte ein Symptom sein für unsere Lebensverhältnisse. Wir haben zu viel; es wird uns zu viel angeboten. Das «immer mehr» und «immer grösser» wird uns zum Problem, das wir nicht mehr bewältigen können. Die immer mehr und immer grösser und immer überflüssiger werdenden Supermärkte bieten an, was auch einer mehrfachen Bevölkerung reichen könnte. Und ein auch sonstiges Warenangebot im Superpack, als ob wir für Jahrzehnte vorzusorgen hätten! Und auf unseren wunderschönen Strassen SUVs und Geländefahrzeuge, die für die Wildnis geeignet sind und an denen man ob ihrer Breite oft nicht vorbeikommt.
Aber vielleicht sind wir in einer Wildnis angekommen, die von Grös-senwahn und Gier geprägt ist.
Angesichts von Hunger und Elend in weiten Teilen der Welt und von Kriegen, an denen wir durch unsere Waffen- und Geldgeschäfte beteiligt sind und dann Menschen zur Flucht treiben, können wir nur tief erschrocken sein und ans Teilen denken, was uns ohnehin zu viel geworden ist.
Sollen wir etwa wieder lernen müssen, uns in einer langen Schlange vor dem Bäcker anzustellen, um den letzten Laib Brot zu bekommen?
Freilich, es war wohl nur einer von uns, der den Haufen Brot abgeladen hat – und dennoch: ein bitteres Zeichen für den Zustand unserer Gesellschaft? Waren wir nicht irgendwann einmal Christen mit der Bitte Jesu: «Unser täglich Brot gib uns heute (…)?»

Hans Jaquemar,
Rüttigass 35, Nendeln

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