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Leserbrief

Selbstreflexion eines Kulturträgers

Hans Mechnig, Tröxlegass 46, Schaan | 19. September 2015

Finanzierung des TAK

Wie wir auf der «Volksblatt»-Titelseite vom 14. September erfahren durften, hat das Theater am Kirchplatz (TAK) am vergangenen Samstagnachmittag die neue Spielzeit eröffnet. «Mit Pauken und Trompeten, sozusagen», wie zu lesen war. Das Spielzeitmotto lautet: «Der Mensch und seine Wurzeln.» Der Bedeutung des Anlasses entsprechend war dann offensichtlich auch die Prominenz aus Politik, Kultur und Wirtschaft gut vertreten und zur Sprache kam, der geneigte Leser ahnt es schon, ausschliesslich Gehaltvolles. Wie wir erfahren, wurde das Theater da «in die Pflicht genommen, eine Schule des Sehens für alle Fragen des menschlichen Seins zu sein». Eine Prise Gejammer – ein simples Muss in Präsenz von Sponsoren – in Form der Feststellung, dass «das Theater besonders anfällig oder, (…) darauf spezialisiert (sei), infrage gestellt zu werden – und selbst eine Frage zu sein.» Was immer Letzteres heissen mag. «Es gelte das scheinbar Selbstverständliche – nämlich uns selbst – zu hinterfragen.» «Die Art und Weise, wie wir zusammenleben (…) programmiere uns.» «Schön eingefädelt» wurde anschliessend eine Diskussion um Kunst und Zivilgesellschaft, «unter Betonung der Möglichkeiten integrativer Projekte, die Musik als kulturelle und soziale Grenzen überwindende Kunst verstünden». (Was für ein Zufall! Höre ich «Ace of Spades» von Motörhead, kommt mir immer genau das in den Sinn?! Praktisch im Wortlaut!) Toll finde ich das Plädoyer für ein «nachhaltiges Theater, das nicht aufhört zu irritieren» und dasjenige «für das Theater als unmoralische Anstalt». Mutig und revolutionär! Anarchy in the TAK! Hätte doch Sid Vicious das noch erleben dürfen! All das zu lesen hat mich richtig nachdenklich gemacht. Wie aufgefordert, habe ich hinterfragt und mir ist «der Mensch und seine Wurzeln in den Sinn gekommen». Ja, was waren das noch für Zeiten, als das TAK noch keine circa 2,5 Millionen Franken jährlich an staatlichen und kommunalen Subventionen kassiert hat; somit circa 48 000 Franken in jeder einzelnen Woche eines Jahres? Was waren das noch für Zeiten, als sich der Staat aus der Finanzierung von Kunst und Kultur herausgehalten hat; weil das nichts mit seinen Aufgaben zu tun hat. Doch halt! Immerhin ist damit ein Auftrag schon einmal erfüllt. Das mit der unmoralischen Anstalt kann man schon einmal abhaken! Ansonsten würde ich sagen: «Irritiert fröhlich, aber finanziert es gefälligst selbst!»

Hans Mechnig, Tröxlegass 46, Schaan

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