Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Leserbrief

Wir – die Kirche

Franz Näscher, Pfr. i. R.,Kirchagässle 14, Bendern | 19. September 2015

Glaube

Wenn wir von Kirche hören, dann denken wohl sehr viele an den Erzbischof, den Generalvikar, die Pfarrer und Kapläne. Sie gehören zur Kirche und stehen in ihrem Dienst. Doch Kirche sind alle Getauften. Das vor 50 Jahren beendete Zweite Vatikanische Konzil hat sich in seinen Aussagen an der Kirche der ersten Jahrhunderte orientiert.
Den Gläubigen ist das Kirche-Sein am meisten in der erneuerten Liturgie bewusst geworden. Sie sind nicht bloss Besucher der Gottesdienste, sondern Teilnehmer, d. h. sie alle feiern zusammen mit dem Priester den Gottesdienst; darum wurde wie in der Urkirche die Volkssprache ermöglicht; darum wurden Laien berufen, Lesung, Fürbitten oder auch andere Texte vorzutragen um dem Priester bei der Kommunionspendung zu helfen. Weil die Getauften zusammen die Kirche eines Ortes sind, wurden Pfarreiräte gewählt, die mit ihrem Pfarrer die Verantwortung für eine lebendige Pfarrei wahrnehmen. Anfang der 1970er-Jahre war Liechtenstein das erste Dekanat des Bistums Chur, das in allen Pfarreien Pfarreiräte gewählt hatte. Diese hatten ihrerseits je ein Mitglied in den Landesseelsorgerat delegiert; durch ihn wurden Arbeitskreise gebildet, die für Erwachsenenbildung, kirchliche Jugendarbeit, Fastenopfer u. a. m. verantwortlich waren. 1972 bis 1975 tagten in sämtlichen Schweizer Bistümern Synoden, zu denen jedes Dekanat Priester und Laien als Mitglieder entsandte.
Um bewusst zu machen, dass wir miteinander die Kirche sind und für sie Verantwortung tragen, veröffentlichte ich in den ersten Jahren meiner Dekanenzeit in den beiden Landeszeitungen unter der Überschrift «Wir – die Kirche» regelmäs-sig Gedanken dazu. Ein wichtiger Gedanke war für mich immer, dass wir für das Kirche-Sein das Miteinander als Freundeskreis um Jesus brauchen (vgl. Johannes 15,14). Ich habe keine Mühe, andere Meinungen, auch konservative und traditionalistische Kreise gelten zu lassen; nur möchte ich dies auch von ihrer Seite erwarten und erfahren.
Ich erinnere an die zwei Leitworte «Aufbruch zum Leben» und «Miteinander auf dem Weg», das erste zum Papstbesuch vor 30 Jahren und der anschliessenden Volksmission in den Pfarreien, das zweite zum Gedenkjahr zehn Jahre später. Beide beziehen sich auf das bekannte Wort Jesu: «Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben (Jo 14,6).» Wir wollen immer wieder zum Aufbruch bereit sein, miteinander den Weg gehen und als Kirche immer mehr zum Freundeskreis um Jesus werden.

Franz Näscher, Pfr. i. R.,
Kirchagässle 14, Bendern

Teile diesen Leserbrief mit deinen Freunden

Leserbrief schreiben

Wie denken Sie darüber?
Titel
Text 0 / 2500 Zeichen
Weiter
Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung