Leserbrief

Zuflucht bieten!

Robert Allgäuer,Schalunstrasse 17, Vaduz | 19. September 2015

Flüchtlingskrise

... warum kommen jetzt plötzlich alle Flüchtlinge auf einmal (als ob jemand eine Schleuse geöffnet hätte), obwohl der Krieg in Syrien schon lange (viel zu lange) dauert! Ist das die vom IS nach dem Attentat in Paris angedrohte Flüchtlingswelle nach Europa? Sie würden auch ihresgleichen darunter mischen, hiess es. Kann man denn bei den Tausenden Menschen das überhaupt noch kontrollieren? Was kommt auf uns und die EU zu? Mir macht das schon Sorgen. Wer hat eine ehrliche Antwort?

Mathilda Dirven, Landstr. 173, Triesen

Die Grösse der gegenwärtigen Flüchtlingströme nach Europa war nicht voraussehbar. Oder vielleicht doch? Wurden möglicherweise irgendwo Anreize geschaffen, die nun von gnadenlosen Schlepperbanden auf brutalste Weise ausgenützt werden? Die grossen Damen und Herren in Brüssel werden durch die grosszügige Mutti aus Deutschland vor den Kopf gestossen und reagieren mit drastischen Mitteln, um der aus allen Fugen geratene Völkerbewegung nach Europa Herr zu werden. Soll nun Liechtenstein sich einem sog. Relocations- d. h. Umsiedlungsmechanismus der EU anschlies-sen? Ich meine ganz klar: Nein! Liechtenstein soll eine eigenständige Aussen- und Flüchtlingspolitik betreiben, aber sicher nicht einfach EU-Mechanismen übernehmen.
Wer ist verantwortlich für die Misere im Nahen Osten? Liechtenstein? Wohl kaum. Länder wie Russland, die USA, Grossbritannien, Frankreich und natürlich auch Deutschland sind seit Jahrzehnten, wenn nicht Jahrhunderten, die Kriegstreiber in diesem Erdteil – sei es als Kolonialherren, als Kriegsteilnehmer oder als Waffenlieferanten. Und jetzt soll ein Umsiedlungs-Mechanismus das Kriegs- und Flüchtlings-elend lösen. Das ganze Grenz- und Asylsystem der EU (Dublin-Abkommen) ist kollabiert bzw. wird durch falsche Anreize durch Länder wie Deutschland und auch skrupellose Schlepper ausgehebelt. Wer die sog. «Willkommenskultur» bejubelt, sollte sich bewusst sein, dass er damit auch die Schlepperei fördert.
Humanitäre Hilfe? Ja! Aber wir sollten sie dort leisten, wo sie am meisten bewirkt. Humantiäre Hilfe bedeutet nicht, sich an der Finanzierung einer Umsiedlung oder einer Völkerwanderung im grossen Stil zu beteiligen. Man darf davon ausgehen, dass die meisten Menschen auf dieser Welt am liebsten in ihrer Heimat bleiben würden, wenn nicht Krieg oder eine andere Katastrophe ihre Heimat heimsuchen würde. Wäre es dann nicht gescheiter, die Grossmächte würden mehr dafür tun, dass die Kriege in Syrien und anderswo beendet werden? Genau hier frage ich mich: Wie gedenken Frau Merkel und ihre Gutmenschen-Kompanie Syrien und den Irak wieder aufzubauen, wenn erst mal Frieden hergestellt werden konnte? Werden wir dann die wohl fähigsten jungen Leute, die ihr Land verlassen und in Europa Fuss gefasst haben, ganz einfach wieder heimschicken? Werden die Schlepper dann für ein Rückfahrbillet besorgt sein? Wohl kaum.
Die Nachricht, dass Liechtenstein für 25 Syrer im ersten Jahr 800 000 Franken ausgibt, dürfte nicht nur bei Schleppern, sondern auch bei vielen Syrern die Runde gemacht haben.
Nun ja, in der Flüchtlingspolitik Zahlen zu nennen oder nachzurechnen, kann man einem immer als herzlos auslegen. Jedoch dürfen wir die Tatsache nicht vergessen, dass vor allem im Süden Europas Jugendarbeitslosigkeit zwischen 25 und 50 Prozent herrscht. Wo sollen da die Tausenden und Abertausenden Flüchtlinge Arbeit finden und in die Gesellschaft integriert werden, wenn diese Gesellschaften bzw. «Wirtschaften» nicht einmal die eigene Jugend unterbringen?
Die europäische Flüchtlingspolitik ist in meinen Augen nicht zu Ende gedacht und Liechtenstein sollte sich davor hüten, diese kaputte EU-Flüchtlingspolitik mitzutragen.

Harry Quaderer,
DU-Fraktionssprecher

IKRK-Chef Peter Maurer: «Schweiz muss mehr Flüchtlinge aufnehmen.» Der Präsident des Roten Kreuzes rügt die Asylpolitik scharf. Der Flüchtlingsbegriff müsse grosszügiger interpretiert werden. (Quelle: «SonntagsZeitung», 13. September 2015)

Robert Allgäuer,
Schalunstrasse 17, Vaduz

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