Leserbrief

Die Staaten- gemeinschaft

H. Mechnig,Tröxlegass 46, Schaan | 12. September 2015

Von der Freiheit

«Liechtenstein ist ein verlässlicher Partner in der Staatengemeinschaft und wird auch als solcher anerkannt», diktiert unser Regierungschef dem Journalisten der Tiroler Zeitung für die Ausgabe vom 1. September 2015. Ersteres wissen wir schon lange. Letzteres ist Wunschdenken, wie wir erst kürzlich wieder schmerzlich erfahren mussten. Eventuell wäre es einmal an der Zeit zu fragen, wer das eigentlich ist, diese Staatengemeinschaft, vor der wir uns immer wieder demütig in den Staub werfen und für die wir bereit sind, jede freiheitliche Position bedenkenlos in die Tonne zu stampfen? Wer soll diese Gemeinschaft sein? Weite Teile Afrikas und praktisch der gesamte Nahe Osten versinken im Chaos. Asien, ein Hort von Harmonie und friedlichem Miteinander? Wohl kaum. Unter welcher südamerikanischen Regierung würden Sie gerne leben? Die «westliche, freiheitliche Wertegemeinschaft», wie sie oft beschworen wird; unter der Führung der USA? Das mit «freiheitlich» wird sich bald einmal erledigt haben. Und zwar gründlich. Einige dieser Werte haben sich mittlerweile bereits in ihr bares Gegenteil verkehrt, mutieren immer mehr zum Albtraum. Auch wenn sich die breite Öffentlichkeit nach wie vor tapfer bemüht, das zu ignorieren. In Tat und Wahrheit wird staatliche Intervention, Macht und Gewalt auf Kosten der individuellen Freiheit (es gibt keine andere!)ständig ausgebaut. Die Freiheit schmilzt schneller dahin als jeder Gletscher in den Alpen. Um Verträge und irgendwelche «Werte» schert man sich genauso lange, wie der eigene Vorteil damit verbunden scheint und keine Sekunde länger! Adenauers Spruch, «Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern?», ist politische Alltagserfahrung. Gut und immer besser funktioniert die Staatengemeinschaft auf anderen Gebieten. Z. B. wenn es darum geht, die Untertanen auf Schritt und Tritt zu regulieren, zu bespitzeln und zu überwachen. Da klappt es zwischen CIA und BND. Oder wenn es darum geht, den Untertanen zu besteuern. Darüber wundern, dass es ausgerechnet auf diesen Gebieten (nahezu schon) reibungslos funktioniert, muss man sich nicht wirklich. Die massgebenden Organisatoren leben ja schliesslich vom Resultat ihrer Beutezüge. Je höher die Beute, je besser die Aussichten, was den eigenen Anteil betrifft. Das Gesetz gilt nach wie vor weltweit; heute so wie vor tausend Jahren, hinweg über nahezu sämtliche Grenzen und Barrieren welcher Art auch immer.

H. Mechnig,
Tröxlegass 46, Schaan

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