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Leserbrief

Political Correctness, ein Fremdwort?

Ruth Schöb,Auring 57, Vaduz | 7. September 2015

WZW-Verfahren I

Welch drittklassiges Boulevardstück wird jetzt aufgeführt? Das fehlbare Verhalten des Arztes, der zu viel verrechnete, wurde Ende August publiziert, das Urteil war längst im Juni gefällt worden. Zeitlich so ungünstig, es wäre im Sommerloch verschwunden und hätte nie den Wirbel ausgelöst wie jetzt vor der nächsten Landtagssitzung über die KVG Revision. Reiner Zufall?
Der nächste Zufall ereignet sich am 3.9.2015 als der Parteifreund des Gesellschaftsministers Pedrazzini, Elfried Hasler, FBP Abgeordneter die «Frohbotschaft» ins Radio L trägt, die da lautet; auch gegen die Ärztekammerpräsidentin Dr. med. Ruth Kranz läuft ein WZW-Verfahren! Die Kammerpräsidentin hat das Verfahren, welches seit 2011 läuft, den zuständigen Kreisen längst bekannt gemacht. Der Präsident des Krankenkassenverbandes hat Dr. Ruth Kranz vor Jahren ein Schreiben (auch zuhanden LKV) zugestellt, mit der Erklärung, dass Ihre Zahlen keinen Anlass ergeben für ein WZW-Verfahren. Dass der LKV dann doch das Verfahren installiert, erstaunt einmal mehr. Schon wieder ein Zufall? Alle Gutachten belegen das richtige Verhalten von Dr. Ruth Kranz.
Dieses Politdrama finde ich zutiefst beschämend für einen Rechtsstaat wie Liechtenstein. Die Vorwürfe desavouieren auf empörende Weise eine Ärztekammerpräsidentin, eine Frau, welcher Respekt gebührt, sie wird medial zerfleddert, die Sachlichkeit ist längst verloren gegangen. Es wird eine über Jahre erfahrene und geschätzte Ärztin, mit hohen ethischen Grundsätzen, der das Wohl ihrer Patienten am Herzen liegt, auf ekelhafte Art öffentlich an den Pranger gestellt und verunglimpft. Diese Frau hat Mut, einen brillanten Verstand, Rückgrat und Durchhaltewillen. Natürlich passt dies vielen nicht ins Konzept. Diese Schmierentragödie zeigt mir eine Politlandschaft, die vor nichts mehr halt macht. Bürger sollten ihren Volksvertretern vertrauen können, hier herrschen Lügen, Verunglimpfung, ja Niedertracht. Das Bestreben wäre eine KVG Revision, die nicht eingesparte Zahlen in den Vordergrund stellt, sondern den Patienten im Mittelpunkt sieht. Als Einzige ringt die Kammerpräsidentin hier für alle Patienten um eine solidarische tragbare Lösung, sowohl für Patient und Staat. Für viele Patienten ist ein 20-prozentiger Selbstbehalt untragbar. Sie kämpft für diese Patienten, nicht für sich, ihr könnte eine höhere oder tiefere Prämie grundsätzlich so egal sein wie dem Minister. Vielleicht wäre ein Dankeschön eher angebracht als Häme.

Ruth Schöb,
Auring 57, Vaduz

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