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Leserbrief

Ein Jass-Desaster

Hans Mechnig,Tröxlegass 46, Schaan | 3. September 2015

«Neger»-Sager

Skandal! Bezeichnet Bayerns Innenminister, Joachim Herrmann, Roberto Blanco doch glatt als «wunderbaren Neger» und das auch noch vor laufender Kamera. Keine Chance, einfach alles abzustreiten. Die Nation hyperventiliert. Einer der wenigen, der halbwegs Haltung bewahrt und sich weder diskriminiert noch beleidigt fühlt, ist ausgerechnet Roberto himself. Aber wahrscheinlich ist das durch eine Art Schockstarre bei ihm zu erklären, die ihn im Moment nicht erkennen lässt, wie grausam ihm hier mitgespielt worden ist. Ausgerechnet in dieser hochexplosiven Gemengenlage ist es mir auch passiert. Beim Jassen in einem Lokal. Deshalb «oute» ich mich hier lieber gleich, bevor die Öffentlichkeit über andere Kanäle Wind von der Sache bekommt. Wir spielten einen «Schieber» und ich hätte Trumpf machen sollen. Aber ich hatte gottsjämmerlich schlechte Karten. Hätte Jesus sie gesehen, hätte man wieder sagen können: «Und er weinte gar bitterlich!» So habe ich, der Grundidee des Spieles entsprechend, geschoben. Mein Partner überlegte kurz; dann sprach er mit fester Stimme: «Aus dem Walde klingt es dumpf, Herz ist Trumpf!» Ich muss ausspielen. Siehe da, immerhin habe ich Nell und Trumpf Ober in den Händen. Voller Zuversicht, dass mein Partner die Hosen voller Trümpfe hat, knalle ich das Nell auf den Tisch. Feind Numero eins «schmiert» unter lautem Wehklagen schön brav den Herz Zehner. Danke Anke! Von meinem Partner kommt die Herz Sieben und dann passiert es. Mit dem Kommentar: «Do müast ma jo scho fascht z’fuul si!» sticht Feind Numero zwo mit dem Trumpf Buur. Dumpf schlägt die Stirn meines Partners auf die Tischplatte. «Es dörf ned wohr si!?», entfährt es ihm noch, bevor er für kurze Zeit das Bewusstsein verliert. Von da an war der Wurm drin. Am Schluss der Runde waren wir dem Feind, d. h. jedem Feind, je 10 Franken schuldig. Mein Partner konnte es immer noch nicht fassen. «Kunt er med am Nell!? Hät aber sos nüt, aber o gär nüt i da Greffel! I glob’s ned! Herr Gott im Himmel, wia ka ma no?» Kein Wort darüber, dass er beim nächsten Jass einen Fünfziger-Wiis vergessen hat. Es ging hin und her und da entfuhr es mir. «Scho guat, denn wör i jetz halt dr Neger si müasa!» Scheppernd fiel an den unmittelbaren Nachbartischen das Besteck auf die Teller. Im Nu breitete sich eine tödliche Stille aus im Lokal. «Aber i ha doch gset, denn bi jetz halt i dr N…!» «Hör blos uf! Ned es ono! Verschon üs med belliga Usreda!» hallte es durchs Lokal. Die verächtlichen Blicke von gut 50 Augenpaaren durchbohren mich. «Vermuatet hämer’s jo scho lenger, dass das ä so än isch, än von dena Rächtsradikala!», sagen ihre Blicke. Um Himmels willen, wie konnte mir das nur passieren?!

Hans Mechnig,
Tröxlegass 46, Schaan

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