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Leserbrief

Soll man sich wundern, ärgern oder einmal mehr staunen?

Ruth Schöb, Auring 57, Vaduz | 24. August 2015

Über unsere Politiker

DU-Fraktionsprecher H. Quaderer schreibt im «Volksblatt», die Aufnahme von Flüchtlingen könne angesichts der Flüchtlingsströme von 52 Millionen nur ein Tropfen auf den heissen Stein sein. Es geht doch nicht um Zahlen, es geht um einzelne Menschen und jeder einzige, der nicht erschossen, gefoltert, vergewaltigt wird oder ertrinkt, ist dankbar um seine Rettung. Jeder, der so zu Tode kommen muss, ist doch einer zuviel, meist handelt es sich um Kinder, Mütter. Aber ja, angesichts 52 Millionen Flüchtlingen, so viele wie noch nie, kann man es sich auch einfach machen und so wenig wie möglich tun, denn man kann ja nicht alle retten! Bezeichnend ist wiederum die Bemerkung, dass die Aufnahme von 25 syrischen Flüchtlingen 800 000 Franken pro Jahr koste. (Mit Hilfe der freiwilligen Arbeit der Bevölkerung wäre diese Zahl sicher tiefer), zudem ist im Staatshaushalt ein Flüchtlingsetat vorgesehen. Immerhin hat Liechtenstein die Menschenrechtskon-vention ratifiziert und ist mit seiner UNO-Mitgliedschaft und humanitärer Tradition verpflichtet, Flüchtlinge aufzunehmen. Pro 1000 Einwohner erträgt dieses Land 1,9 Asylgesuche, was im Vergleich zu anderen Staaten wenig ist.
Die Krönung von H. Quaderer finde ich in der äusserst populistischen Festellung, dass ein Liechtensteiner, der arbeitslos ist oder auf dem Existenzminimum leben muss, empört sein wird, wenn er hört, dass die syrischen Flüchtlinge mit 800 000 Franken rundum versorgt, gehegt und gepflegt werden und Arbeit bekommen. Von einem Politiker erwarte ich etwas mehr Differenzierung im Denken, so tönt es typischerweise am Stammtisch. Ich finde diese Einstellung erbärmlich. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Würden diese 800 000 Franken nicht für Flüchtlinge verwendet, würden sie jedenfalls nicht beim arbeitslosen Liechtensteiner landen und auch nicht bei demjenigen, der auf dem Existenzminimum leben muss. Dann die Frage von H. Quaderer, warum wurden muslimische Syrier aufgenommen, angesichts der Radikalisierung des Islams und nicht christliche? Vielleicht, weil es hier nicht um Religion geht, sondern um Menschenleben und zudem ist nicht jeder Muslim radikal. Auch diese Bemerkung suggeriert dem Volk subtil Fremdenfeindlichkeit und ist genau das Denken, welches Radikalismus fördert, gleich welcher Couleur, somit schliesst sich der Kreis. Übrigens wird zugleich der arbeitslose Bewohner hier noch instrumentalisiert mit solchen Erklärungen. Ein «Bravo» für solche Politiker.

Ruth Schöb,
Auring 57, Vaduz

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