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Leserbrief

TED-Umfrage 1. 8. 2015

Ruth Schöb, Auring 57, Vaduz | 3. August 2015

Wohnraum

Das Asylzentrum in Vaduz stösst an seine Grenzen. Sollte mehr Wohnraum geschaffen werden?
Ja 41,99 %, Nein 58 %. Das Resultat spricht für sich, ich könnte mir meinen Kommentar ersparen und mancher Leser wäre sicher froh darüber. Wir schaffen mehr Wohnraum in Form von teuren Luxuswohnungen, das passt besser zu uns. Vielleicht ist wirklich kein Boden, kein Raum für Flüchtlinge mehr vorhanden, ob real oder in den Herzen? Oder gar beides? Wir haben diese Flüchtlinge nicht gerufen, die Mehrheit, gemäss Abstimmung, will sie eigentlich nicht. Das mag viele Gründe haben, von Fremdenfeindlichkeit bis Fremdenangst, Fremdenhass oder Gleichgültigkeit, fehlende Empathie, Verdrängung der ehemals eigenen Armut hier im Land. Wir sind vor wenigen Jahren von einem bitteren Armutsbauernland zu Neureichen geworden. Das Bürgertum haben wir übersprungen. Ein märchenhafter Aufstieg zum Reichtum vieler Liechtensteiner dank horrender Bodenpreise. R. Allgäuer hat seine Gründe genannt; Ausbeutung in der Dritten Welt, Abschottung hier, Zäune, humanitäre Niederlage in Europa, wir versagen vor der Geschichte. Ich finde, wir versagen vor der Menschlichkeit, vor den Menschenrechten, vor unserem Gewissen. Ich frage mich, wo hier eine gelebte Kirche, gleich welcher Konfession bleibt? Warum gibt es keinen Round Table aus Flüchtlingskommission, Fremdenpolizei, Caritas, Rotes Kreuz, Kirche, Gemeinden und Politik, um dieses Problem der Flüchtlinge ernsthaft und konstruktiv anzugehen? Das Liechtensteinische Rote Kreuz wurde am 30. April 1945 auf Initiative I. D. Fürstin Gina von Liechtenstein gegründet. Ausschlaggebend für die Gründung des Roten Kreuzes war das Flüchtlingselend an der Grenze in Schaanwald. In den letzten Kriegstagen suchten dort Tausende von Flüchtlingen Hilfe. Allein am 1. Mai 1945 registrierte man über 1100, und insgesamt kamen in jenen Tagen über 7000 Flüchtlinge nach Liechtenstein – mehr als die Hälfte der damals 12 000 Einwohner zählenden Bevölkerung! Nach den Soforthilfemassnahmen an der Grenze in Schaanwald bildete die Hilfe an kriegsgeschädigten Menschen noch während Jahren einen Schwerpunkt der liechtensteinischen Rotkreuz-Arbeit. Ich frage mich, wo dieser humanitäre Grundgedanke geblieben ist. Der wurde nicht nur vom Fürstenhaus alleine getragen. Wo war damals Raum für über 7000 Flüchtlinge? Die momentanen Zahlen der hier aufgenommenen Flüchtlinge im Vergleich zu damals sind lächerlich gering. Man ist geneigt, zu glauben, dass Reichtum grossteils gleichgültig, egozentrisch und inhuman macht.

Ruth Schöb,
Auring 57, Vaduz

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