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Leserbrief

Im Lande der Beschränkten

Jo. Schädler,Eschnerstarsse 64, Bendern | 17. Juli 2015

GmbH-Recht

Wirtschaftsminister Zwiefelhofer präsentierte in der Zeitung die Gesellschaftsform der GmbH (Gesellschaft mit beschränkter Haftung). Ein vor allem in Deutschland erfolgreiches Firmenmodell soll nun auch bei uns mehr Boden fassen und sich ausbreiten. Damit der Erfolg auch eintritt, soll sie mit einer, gegenüber der Aktiengesellschaft und der Anstalt, geringen Eigenkapitaldecke verlockend gemacht und in Schwung gebracht werden. Nun, was heisst das?
Das heisst im Grunde nichts anderes, als dass man mit der GmbH Firmen ins Land locken will, welchen es an Kapital fehlt. Was daraus entstehen wird, kann sich jeder selbst ausrechnen. Wenn überhaupt, werden kapitallose Lumpensammler, Würstchenverkäufer, Schlüsselkopierer usw. die Chance nutzen, hier tätig zu werden. Oder aber solche, welche in einer Haftungsbeschränkung ihr Spiel und Gewinnfeld se­hen. Da kann man sich mit einem halben Daumen ausrechnen, wer das sein wird.
Deutschland ist eben dadurch erfolgreich, weil es die Haftungsbeschränkung kennt und sehr rigoros auch anwendet. So denkt es zum Beispiel gar nicht daran, die unserem Fürsten während der Naziherrschaft gestohlenen Bilder wieder zurückzugeben oder den Tschechen zu ermahnen, seine Enteignungen während und nach dem Krieg wieder ins Lot zu bringen.
Noch vor den Wahlen klang es aus goldenen Kehlen, man müsse das Land voranbringen, unbedingt die Wertschöpfung steigern und nur noch Betriebe ins Land holen, welche am liebsten kein Personal brauchen und wenn, dann nur hochqualifizierte Spezialisten. Man müsse dringend unsere Ressourcen an geistigem Potenzial anzapfen, denn man erkannte richtig, dass die Staatskasse bei immer mehr Arbeitsplätzen immer leerer wird. Doch nun sind diese goldenen Kehlen verrostet und ihre Schalmeienklänge haben sich in ein ätzendes Krächzen, das den Tönen einer ungeschmierten Wagendeichsel gleicht, verwandelt. Aber immerhin: Die Regierung macht wenigstens etwas, das muss man schon sagen.
Erinnert mich an eine Zeit, wie ich einen Haufen Personal zu führen hatte. Darunter war so ein sehr rührseliger Typ. Der meinte einst zu mir, man könne mir aber auch gar nie etwas zum Dank machen, worauf ich ihm zu verstehen gab: Ja, das ist ja mein grosses Problem mit dir. Aber nun ist ja bald wieder Fürstenfest und dann ist alles wieder gut und Friede und Harmonie kehrt ein oben am jungen Rhein. Dann strahlen sie wieder auf der Schlosswiese, während sich ihre Finger um die Gläser krallen, bis am Ende sie nur noch lallen.

Jo. Schädler,
Eschnerstarsse 64, Bendern

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