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Leserbrief

Differenzierte Sicht auf den Energieverbrauch

Solargenossenschaft Liechtenstein | 11. Juli 2015

Erneuerbare Energien

Nachdem Liechtenstein in der vergangenen Woche zum Solarweltmeister gekürt wurde, gab es diese Woche weitere erfreuliche Nachrichten. Gemäss der am Donnerstag veröffentlichten Energiestatistik ist im vergangenen Jahr der Energiehunger in Liechtenstein gegenüber dem Vorjahr um 9,5 Prozent und damit sehr deutlich gesunken. Besonders hervorzuheben ist, dass letztmals 1995 weniger nicht erneuerbare Energie verbraucht beziehungsweise importiert wurde. Zu den nicht erneuerbaren Energien zählen Benzin, Diesel, Heizöl, Erdgas, Flüssiggas und der Anteil am Strom, der importiert wurde, bei dem es sich zum grössten Teil um Atomstrom handelt. Selbst im Bereich Mobilität stehen die Zeichen auf Verbrauchssenkung: Die Nachfrage sowohl nach Benzin als auch nach Diesel ist zurückgegangen.
Trotz dieser insgesamt positiven Entwicklung gilt es festzuhalten, dass die Trendwende zu mehr nachhaltig produzierter Energie nur langsam vonstatten geht. Denn in den beiden Vorjahren, 2012 und 2013, wurde jeweils ein steigender Energieverbrauch ausgewiesen. Insgesamt wurden 2011 auch weniger Benzin und Diesel importiert als 2014. Und wie in der Energiestatistik ausgeführt wird, trug der milde Winter zum massiven Rückgang bei den Heizölverkäufen bei, was wohl auch auf die Nachfrage nach Erdgas Einfluss hatte.
Und es ist zwar sehr erfreulich, dass Liechtenstein weltweit über die meiste installierte Fotovoltaikleistung pro Kopf verfügt. Doch in der Nutzung anderer neuer erneuerbarer Energien liegt Liechtenstein zurück. Zudem startete Liechtenstein auf hohem Niveau. Internationale Vergleiche sind zwar schwierig, da aufgrund der hohen Zupendlerzahl der Pro-Kopf-Verbrauch wenig aussagekräftig ist. Infolge der fehlenden Schwerindustrie und damit einhergehend der importierten grauen Energie sagt auch der Energieverbrauch gemessen am Bruttoinlandsprodukt nicht sehr viel aus. Es ist jedoch unbestreitbar, dass die Liechtensteinerinnen und Liechtensteiner zu den grössten Energieverbrauchern zählen. Schliesslich dürften insbesondere im Bereich Mobilität Initiativen im Ausland für eine energieeffizientere Fahrzeugflotte zur Entwicklung in Liechtenstein beigetragen haben.
Die Anstrengungen in Richtung einer nachhaltigen Energiepolitik in Liechtenstein verdienen durchaus Anerkennung. Doch die Politik hinkt den selbst gesetzten Zielen gemäss Energiestrategie 2020 deutlich hinterher. Vor allem sind die Projekte Tiefengeothermie und Rheinkraftwerk nicht realisierbar. Diese beiden Projekte sollten aber fast 48 Prozent dessen liefern, was bis 2020 an heimischen erneuerbaren Energieträgern nutzbar gemacht werden soll. Deshalb müssen Massnahmen in anderen Bereichen verstärkt werden, wenn die Energiestrategie ein flexibles Instrument darstellen soll, mit dem auf neue Entwicklungen reagiert werden kann.
Für Liechtenstein gäbe es viel zu gewinnen – nicht nur an Image. Jedes Jahr wandern Dutzende Millionen Franken für den Import von Energie ins Ausland, während im Inland ungenutztes Potential schlummert. Dank der vermehrten Nutzung von heimischen Energieträgern wird künftig ein Teil dieses Geldes als zusätzliche Wertschöpfung in Liechtenstein verbleiben.

Solargenossenschaft Liechtenstein

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