Leserbrief

Zum Nachdenken

Carmen Sprenger-Lampert,Landstrasse 333, Triesen | 9. Juli 2015

Datenschutz

Liechtenstein führt in Zusammenarbeit mit dem Schulamt im Rahmen der Qualitätssicherung an den Schulen Standardprüfungen in allen dritten, fünften und achten Klassen durch. Neben den fachlichen Leistungen werden auch Fragen zum Elternhaus der Schülerin beziehungsweise des Schülers gestellt; folgende drei Fragen wurden bei der Standardprüfung 2015 gestellt:
1. Wie viele Personen leben bei dir zu Hause?
2. Wie viele Zimmer gibt es bei dir zu Hause?
3. Wie viele Bücher gibt es bei dir zu Hause?
Auf Empfehlung des Datenschutzbeauftragten soll der Fragebogen zu Hause beantwortet werden. Nach den Details zum empfohlenen Prozedere habe ich mich beim Datenschutzbeauftragten erkundigt, weil ich aufgrund dieses Hinweises «diskretere» Fragen erwartet habe. Leider erhielt ich dort kein Verständnis für meine Anfrage und ich wurde auf eine elternseitige Beschwerde in Bezug auf die Vorgängerversion dieses Fragebogens verwiesen – dieser enthielt allerdings zusätzliche Fragen.
Nachdem ich immer wieder in Gesprächen mit verschiedenen Menschen zu hören bekomme, dass die Welt zwischenzeitlich überreguliert ist und dies zu einem komplizierten Alltag führt, finde ich es legitim, den Beweggrund für ein solches Vorgehen zu hinterfragen.
Und ich stelle mir nochmals die Frage, ob diese drei Fragen in Sachen Datenschutz schützenswert sind? Grundsätzlich vertrete ich die Meinung, dass Datenschutz wichtig ist. Um die Entwicklung in Richtung «gläserner Mensch» einzubremsen, ist es allerdings fraglich, ob dies in der heutigen Zeit überhaupt noch möglich ist, wenn man an die rasante Entwicklung der technischen Möglichkeiten denkt. Besonders wichtig finde ich, dass Datenschutz vernünftig «gelebt» und nicht mit Kanonen auf Spatzen geschossen wird. In der Hoffnung, auch in einer überregulierten Zeit die Vernunft nicht zu verlieren und trotz allem geistig flexibel und situativ zu entscheiden, möchte ich mit diesem Leserbrief zum Nachdenken anregen.

Carmen Sprenger-Lampert,
Landstrasse 333, Triesen

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