Leserbrief

Wir sollen nicht nur offen diskutieren, wir müssen!

Hans Mechnig, Tröxlegass 46, Schaan | 26. Mai 2015

Frauenquote

Und wie mir scheint, nicht nur über die Frauenquote! Den Eindruck habe ich zumindest nach dem Bericht bzw. dem Interview von Frau Regierungsrätin Dr. Aurelia Frick im «Volksblatt» vom Samstag, den 23. Mai 2015. Fr. Dr. Frick bekleidet eines der höchsten politischen Ämter in unserem Lande und ist studierte Rechtswissenschaftlerin. Bei allem Verständnis für ihre Enttäuschung über das Abschneiden der Frauen bei den letzten Gemeinderatswahlen finde ich es doch bedenklich, dass jemand in ihrer Position hingeht und den Wählerinnen und Wählern quasi unterstellt, sie hätten ihre Entscheidungen nach Kriterien getroffen, die «mit einer fairen Auswahl» nichts zu tun gehabt hätten. Das ist starker Tobak! Frau Dr. Frick stellt die Vermutung bzw. Behauptung in den Raum, die Wählerinnen und Wähler würden bei den weiblichen Kandidatinnen offensichtlich völlig willkürlich und nach rein äusserlichen Kriterien entscheiden. Danach, ob eine Frau zu dick oder zu dünn sei, nach ihrer Frisur, ja sogar nach ihrem Schuhwerk!? Bei so viel Respekt und Wertschätzung von höchster Stelle für das Wahlvolk ist dann auch meine Frisur in Unordnung gekommen; die Haare sind mir zu Berge gestanden und zwar «poltzgrad», wie man bei uns sagen würde. Wie kann jemand, nach so vielen Jahren in den oberen Etagen der Politik, allen Ernstes derartige Behauptungen aufstellen und sich derart dünnhäutig präsentieren? «Beweisen Sie, was Sie sagen!», wäre jetzt meine Bitte an Frau Dr. Frick. Erstaunlich finde ich auch Fr. Dr. Fricks offensichtlichen, radikalen Sinneswandel hin zur Frauenquote vor ihrem juristischen Hintergrund. Plädiert sie doch tatsächlich dafür, Kommissionen, Stiftungsräte und Verwaltungsräte, die unter der Regierung stehen, «nur noch mit einem Frauen-Männer-Anteil von 50-50 zu besetzen» und, falls sich keine geeigneten Kandidatinnen finden sollten, «bleibt der Sitz konsequent leer». Wäre der nächste Schritt – konsequenterweise – dann eigentlich nicht der, die Frauen unter Androhung von Waffengewalt zu ihrem Glück zu zwingen? Auf jeden Fall läuft es darauf hinaus, dass sich jemand auf höchster Regierungsebene dafür starkmacht, die Landesangehörigen, d. h. die Männer und Frauen dieses Landes, nach unterschiedlichen Regeln zu behandeln und damit der Willkür, dem Unrecht Tür und Tor zu öffnen. Die Kernaussage im Artikel 31 der Verfassung ist unmissverständlich und klar: Alle Landesangehörigen sind vor dem Gesetze gleich. Eine Quotenregelung, egal wo und welcher Art auch immer, widerspricht dem im Sinn und Geist. Aber vermutlich hat man sich diesbezüglich schon ein paar juristische Winkelzüge zurechtgelegt?

Hans Mechnig, Tröxlegass 46, Schaan

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