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Leserbrief

Pfingsten, Fest der Kommunikation

Sr. Alma Pia, ASC,Kloster St. Elisabeth, Schaan | 23. Mai 2015

Glaube

Als der Hl. Geist am ersten Pfingstfest in Feuerzungen auf die Apostel kam, verstanden alle Nationen die Botschaft der Rettung. Warum verstehen wir heute einander oft nicht? Es ist wohl eine Frage der «Be-Geisterung» und der Werte. Wissenschaftler führen seit Jahren sog. Wertestudien durch und stellen fest, dass hohe Werte meist geschätzt, aber selten gelebt werden; andere auf der Werteskala steigen oder sinken; Religion war lange unter den letzten, steigt aber wieder. Die letzte Forschergruppe befragte Junge und Alte, Gelehrte und Analphabeten, Juden, Christen und Muslime über ihre Einstellung zu ihren Heiligen Schriften: Bibel und Koran. Sie stellten fest, dass der höchste Prozentsatz Fundamentalisten bei den Muslimen, der kleinste bei den Christen ist und dass er nicht vom Bildungsgrad abhängt. Sogar Akademiker glauben wörtlich an die Bibel bzw. den Koran, auch wenn sich Textstellen klar widersprechen (vgl. SKZ 4/2015). Sie «sehen» nur bei Anderen Irrtümer und fühlen sich als Helden, wenn sie diese in Wort und Tat bekämpfen. Warum? Die Ursache steckt zum Teil in der Sprache. Wir neigen zur Verallgemeinerung.
Vor Jahren lernte ich bei einem Kommunikationskurs, wir sollten uns hüten zu sagen: «immer bzw. nie; alle – niemand; überall – nirgends; alles – nichts», weil es so bei uns Menschen kaum je stimmt. Auf Erden gibt es Licht und Schatten, Gutes und Böses …
Der Friede in der Familie, im Verein, in der Gemeinde, in der Kirche und im Staat ist nur möglich, wenn wir unsere eigenen Grenzen einsehen und zugeben; und auch die Grenzen bei Anderen akzeptieren. Um Vergebung bitten und gerne vergeben ist gesünder als grollen! Vorsicht beim Reden und Schreiben! Guten Erfolg!

Sr. Alma Pia, ASC,
Kloster St. Elisabeth, Schaan

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