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Leserbrief

Doch das Ei des Kolumbus gefunden? Teil 2

Ruth Schöb,Auring 57, Vaduz | 23. Mai 2015

KVG-Revision

Nicht zu vergessen ist sein geregeltes Gehalt, er hat kein unternehmerisches Risiko mehr, kann diese Unsicherheit getrost dem Staate abgeben. Zudem hätten die Neiddiskussionen um die vermeintlichen Millioneneinkommen der Ärzte endlich ein Ende. Klar müsste man mehr Ärzte einstellen, Ausländer, doch diese «Kröte» schlucken wir auch noch. Politik, Volk, Ärzte – alle zufrieden, Sparwille erfüllt. Ende meiner Satire.
Übrigens hat die Staatsverschuldung in Schweden für weitreichende Korrekturen an der staatlichen Wohlfahrt, die den Schweden bis dahin eine äusserst umfangreiche und vielfältige medizinische Versorgung garantierte, geführt. Seitdem steht das schwedische Gesundheits-system unter Sparzwang, was zu enormen Leistungskürzungen und Engpässen in der medizinischen Grundversorgung führte. Einhergehend mit einer beachtlichen zusätzlichen Beteiligung der Patienten an den Kosten. Das durchregulierte Staatssystem Skandinaviens hat Schattenseiten. Kritisiert werden seit Jahren vor allem die langen Wartezeiten bei Behandlungen. Denn über die Frage, ob ein Patient ein neues Hüftgelenk bekommt und wann dieses eingesetzt wird, entscheiden nicht die Beschwerden des Patienten, sondern Richtlinien und Kapazitäten der Kliniken. Die staatliche Priorisierung von Behandlungen führte zu einer Zwei-Klassen-Medizin. Denn zu beschleunigen ist der OP-Termin nur für denjenigen, der sich zur Behandlung in eine Privat-Klinik begeben kann. In Skandinavien wird das Gesundheitswesen vom Staat organisiert und nahezu ausschliesslich aus Steuern finanziert. Der Staat gestaltet und verwaltet das System und steuert die Gesundheitsversorgung anhand medizinischer Kriterien. Das bedeutet: Nur wer schwer erkrankt ist, wird sofort versorgt.
Ohne viel Polemik muss festgestellt werden, dass die massiven Einsparungen der vergangenen zehn Jahre im schwedischen Gesundheitssystem zu Engpässen in der Patientenversorgung geführt haben, die schon manchen Patienten das Leben gekostet haben. Genau genommen drohen den Schweden derzeit Engpässe von der Geburt bis zum Tod. Ich denke, wir müssen nicht die gleichen Fehler nachahmen und behalten unsere Ärzte – sind dankbar um ihr grosses Tag- und Nachtengagement – und machen ihnen nicht das Leben schwer mit schikanösen befristeten OKP-Verträgen auf vier Jahre, die dann zur Zweiklassenmedizin führen wie in Schweden.

Ruth Schöb,
Auring 57, Vaduz

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