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Leserbrief

Doch das Ei des Kolumbus gefunden? Teil 1

Ruth Schöb,Auring 57, Vaduz | 22. Mai 2015

KVG-Revision

Die TED-Umfrage des «Vaterlandes» vom 21. Mai 2015 fragt, ob gemäss der Freien Liste (FL) Ärzte zu Staatsangestellten gemacht werden sollten? Antworten: Ja: 73 Prozent, Nein: 26 Prozent. Im ersten Moment schwankte ich zwischen Empörung und Erstaunen über dieses Ergebnis, doch sogleich musste ich neidvoll (ging sicherlich insgeheim den Befragten genau so) an die mutmasslichen Millioneneinkommen der Ärztekammerspitzedamen denken. Doch eine Kaffeetasse später kam mir gottlob die rettende Idee, es muss doch sicherlich Hand und Fuss haben, vollständig durchdacht und ausgereift sein, wenn unsere Abgeordneten der FL (und auch das Volk) der Meinung sind, Ärzte müssten Staatsangestellte mit Leistungsauftrag werden (Th. Lageder). Wem, wenn nicht unseren Abgeordneten, Politikern sollten wir denn sonst vertrauen? Alsbald fand ich immer stichhaltigere Argumente für dieses Votum und habe bei der TED-Umfrage sofort auch Ja gestimmt. Dann müsste also zuerst der Staat dem Arzt die Praxis abkaufen, was ja die logische Folge wäre, so dachte ich. Das wäre ja weiter kein Problem bei vielleicht 60 Praxen im Lande mit OKP-Verträgen, der Staat würde alles nötige medizinische Equipment und alle Medikamente besorgen und den Ärzten nach Bedarf zuteilen. Der Arzt ist sodann Staatsbeamter, den Doktortitel könnte man somit getrost auch weglassen, die Besoldungsstufe müsste noch geregelt werden, vielleicht der Rang eines Amtsleiters, irgendeine Führungsposition liesse sich finden. Die bisherigen Angestellten des Gottes in Weiss wären dann ja auch Staatspersonal und müssten nicht mehr vom Arzt bezahlt oder angestellt werden. Der Arzt hätte noch eine 42-Stundenwoche, 8 Stunden und 24 Minuten pro Tag wäre er da für seine Patienten. Um 17 Uhr kann er guten Gewissens ethisch und personell verschwinden. Die noch unbehandelten Patienten im Wartezimmer können dann am nächsten Tag ihr Glück erneut versuchen. Nachtdienst entfällt nach einem 12-Stundentag, wie er jetzt noch geleistet wird, ebenfalls. Nach so einem Nachtdienst folgt heute anschliessend ein normal anstrengender Praxistag, auch dies wäre dann Vergangenheit. Dazu kommt der Arzt in den Genuss der vielen Feiertage und Brücken. Nicht zu vergessen die bezahlten circa 25 Tage Ferien und natürlich die Pensionskasse (die hoffentlich bis dann vollständig saniert ist). Es zeichnen sich also ungeahnte Vorteile ab, was mir und der Ärzteschaft bisher anscheinend völlig entgangen ist.
Fortsetzung folgt.

Ruth Schöb,
Auring 57, Vaduz

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