Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Leserbrief

Flussaufweitungen als «Revitalisierung» des Alpenrheins

Othmar Züger, Aeulegraben 32, Triesen | 18. Mai 2015

Projekt «Rhesi»

Mit dem interstaatlichen Projekt «Rhesi» (Rhein – Erholung und Sicherheit) soll der Hochwasserschutz am unteren Alpenrhein verbessert werden, um selbst bei einem 300-Jahr-Hochwasser-Ereignis den Siedlungsraum und das Kulturland vor Überfluten zu schützen. Gemäss Informationen zu «Rhesi» (auf http://www.rhesi.org) liegen die primären Überflutungsrisiken im unteren Rheintal ab der Illmündung bei Feldkirch, und nicht im Bereich von Liechtenstein. Um die Überflutungsgefahr bei Extremhochwasser zu dämmen, soll in diesem unteren Flussabschnitt die maximale Ablaufkapazität durch Aufweitungen und Dammverstärkungen erhöht werden. Im Raume Liechtenstein hingegen sieht die Regierung mit Umweltamt und Umweltverbänden sowie politischer Unterstützung der Freien Liste eine sogenannte «Revitalisierung» des Alpenrheins vor. Durch ein Landeinwärts-Versetzen des Rheindamms soll das bestehende Flussbett örtlich zum Teil massiv aufgeweitet werden. Primäres Ziel dieser Aufweitungen ist nicht, die schon vorhandene hohe Hochwassersicherheit zu verbessern, sondern es gehe um eine angebliche Erweiterung des «Erholungsraums» für Natur und Bevölkerung. Dabei sollen ansehnliche Flächen von bestem landwirtschaftlichem Kulturland entlang des Rheins diesen Flussbett-Aufweitungen geopfert werden. Der Gewinn an nutzbarem Erholungsraum für die Bevölkerung wäre allerdings sehr bescheiden, denn der landeinwärts versetzte Rheindamm würde nur unwesentlich länger werden. Einzig die Fliessgeschwindigkeit des Rheins könnte direkt bei diese Aufweitungen reduziert werden, was über damit entstehenden Auflandungen zu einer gewissen Erhöhung des Grundwasserspiegels führt. Mit Stufen im bestehenden Flussbett kann hingegen der gleiche Effekt erzielt werden, nur einfacher, billiger, wirkungsvoller, und vor allem ohne Kulturlandverlust, wie sich mit den beiden Schwellen in Balzers und Schaan aus den 1970er-Jahren gezeigt hat. Betreffend der Hochwassersicherheit stellt sich die Frage, ob die mit Bäumen bewachsenen Inseln in den Aufweitungen eines solchermassen «revitalisierten» Rheinbetts die Überflutungsgefahr nicht sogar noch erhöhen. Bei Extremhochwasser führt der Rhein bekanntlich grosse Mengen an Holz und Geschiebe, das sich in solch bewachsenen Abschnitten stauen kann. Bei plötzlichem Aufbrechen von Stauungen würden die rückgehaltenen Wassermassen zu Flutwellen mit grossen Mengen Schwemmholz flussabwärts führen, was die Gefahr für Dammbrüche an den schwächsten Stellen flussabwärts sogar erhöhen kann. Jedenfalls waren das genau die Hauptgründe für die gefürchteten Überschwemmungen, bevor es einen soliden, durchgehenden Rheindamm gab. Könnten unsere Vorfahren, die trotz damaliger wirtschaftlicher Not mit grössten Anstrengungen und aus heutiger Sicht primitivsten Mitteln dieses Jahrhundert-Bauwerk Rheindamm geschaffen haben, ihre Meinung zu dieser «Revitalisierung» noch abgeben, müsste man sich wohl nicht wundern, wenn nur Kopfschütteln resultieren und Ausdrücke fallen würden, unter denen «Wohlstandstrunkenkeit» eine diplomatische Bezeichnung dafür wäre.


Othmar Züger,
Aeulegraben 32, Triesen

Teile diesen Leserbrief mit deinen Freunden

Leserbrief schreiben

Wie denken Sie darüber?
Titel
Text 0 / 2500 Zeichen
Weiter
Volksblatt Werbung