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Leserbrief

Ich verwechsle nicht Äpfel mit Birnen

Weitere Leserbriefe finden Sie auf der Seite 8. | 9. Mai 2015

KVG-Revision

Die Fraktion der Freien Liste ist auf die KVG-Revision der Regierung nicht eingetreten. Diese verfehlt das Ziel, Gesundheitskosten zu senken und das Krankenversicherungssystem solidarischer zu machen.
Die Vorlage wälzt die Verantwortung lediglich auf die Versicherten ab und zwar unsolidarisch. Wer sich eine hohe Franchise leisten kann und das Glück hat, nie krank zu werden, zahlt weniger, alle anderen werden zur Kasse gebeten.
Am falschen Anreizsystem für Ärzte und am hohen Verwaltungsaufwand der Krankenkassen wird auch die Einführung des Tarmed, der unabhängig von der Revision des KVG vollzogen werden kann, nichts ändern. Ärzte machen weiterhin mit dem Umsatz von Medikamenten Gewinn, anstatt Medikamente zum Selbstkostenpreis abzugeben. Sogenannten Powersellern unter den Ärzten kann allerdings mit dem Tarmed gezeigt werden, dass sie im Vergleich zu Schweizer Kollegen unverhältnismässig viel Umsatz und Gewinn machen. Die Regierung möchte sich vorbehalten, die Konzessionen (OKP-Verträge) für Ärzte bei Fehlverhalten nicht zu verlängern. Nach welchen Kriterien sie dies macht, sagt sie nicht. Diese vage Regelung öffnet Tür und Tor zur Willkür.
Nichts ändern wird sich nach dem Regierungsvorschlag am hohen Aufwand der im Land tätigen Krankenkassen: Diese haben einen jährlichen Verwaltungsaufwand von 21 Millionen Franken. Das sind knapp 600 Franken pro Einwohner und Jahr. Hätte die Regierung den Mut, eine Einheitskrankenkasse vorzuschlagen, könnten damit allein am Verwaltungsaufwand Millionen gespart werden.
In der Regierungsvorlage links liegengelassen wurden auch die Spitäler, obwohl diese im Jahr 2013 mehr als 60 Mio. Franken verschlangen. Das ist mehr als ein Drittel der gesamten Aufwendungen der obligatorischen Krankenpflegeversicherung. Auch im Spitalwesen sind die Anreize falsch gesetzt, da Gewinnmaximierung gefördert wird.
Aus Sicht der Landtagsfraktion der Freien Liste sollen Ärzte mit OKP-Vertrag und Spitäler keine profitinteressierten Unternehmer sein. Denn einen wirklichen und transparenten Wettbewerb im Gesundheitsmarkt gibt es nicht.
Die ideale Lösung, das zu teure und unfaire Gesundheitssystem zu verbessern, ist aus Sicht der Freien Liste eine Einheitskrankenkasse mit einkommens- und vermögensabhängigen Prämien. So bekommt die Politik nicht nur Gesundheitskosten in den Griff, sondern die Krankenkasse wird wieder zu dem, was sie ihrem Grundgedanken nach sein soll: Eine solidarische Einrichtung für uns alle. Wir müssen von den unfairen Kopfprämien wegkommen und die Anreize für Leistungserbringer im Gesundheitswesen ändern.


Die Fraktion der Freien Liste

Im Leserbrief «Angstmacherei» vom 8. Mai 2015 zitiert Frau Dentsch mich völlig falsch. Sie schreibt, dass ich meine, bei Grossverdienern – CEOs, Banker, Manager, Treuhänder – sollen Regierungsgelder gespart werden, damit die Ärzte bezahlt werden können. Weiter meint Frau Dentsch, Ärzte verdienen an Kranken, Manager an Gesunden.
Dies trifft genau den Punkt, Ärzte behandeln Kranke, dies nach langer Ausbildung, mit Erfahrung, mit Verantwortung, mit Wissen und viel Empathie, vollem Engagement und vielleicht auch mit teurer Apparatemedizin. (Sollten wir nicht dankbar sein, dass wir uns unser Gesundheitswesen bisher noch leisten konnten? Wo wir doch von allem sowieso nur das Beste wollen, bisher hatten wir dieses Privileg in einem der reichsten Länder, welches schwarze Zahlen schreibt!). In welchem Land gibt es das? Nach der Annahme der KVG-Revision wird dies nicht mehr der Fall sein und dies hat nichts mit Angstmacherei zu tun. Allerdings könnte es einem Angst machen, wenn es von unserem Gesellschaftsminister einmal heisst, der Tarmed kommt keinesfalls und seit letztem Dienstag wird er 2017 eingeführt mit neuer Version, die kein Mensch wirklich kennt. Wer kauft, beschliesst etwas, das er nicht kennt? Da kann man nur staunen, sich ängstigen oder soll man eher darüber lachen? Für die Behandlung, Verantwortung am kranken Menschen muss der Arzt entsprechend honoriert werden. Dass dazu die Regierung Gelder zu- schiessen muss, ist auch klar. Es ist aber reinste und dreiste Spekulation, der Ärztekammerspitze (die Damen haben Namen) zu unterstellen, sie kassierten möglicherweise Millioneneinkommen (Leserbrief Herr Werle).
Es stellt sich einfach die Frage, was ist uns mehr wert, der Mensch (und unser bisher gutes Gesundheitswesen, ohne Tarmed, zufriedene Patienten und Ärzte) oder Gewinnmaximierung um jeden Preis, dies nun völlig unabhängig von der KVG-Revision, die viele Menschen ins Burn- out treibt und wiederum dann das Gesundheitswesen in hohem Masse belastet. Genau dies hängt mit den Millioneneinkommen der CEOs, Manager, Banker, Börsianer zusammen, Frau Dentsch. Scheinbar regen wir uns da nicht im geringsten darüber auf.

Ruth Schöb,
Auring 57, Vaduz

Weitere Leserbriefe finden Sie auf der Seite 8.

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