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Leserbrief

Grenze überschritten

Sigi Langenbahn, Christine Schädler, Petra Eichele und Martina Haas, LANV | 8. Mai 2015

Herbert Ospelt Anstalt

An unserer Maifeier 2014 hatten wir die tiefen Mindestlöhne im Gesamtarbeitsvertrag mit der Liechtensteinischen Industrie- und Handelskammer LIHK angeprangert und deutlich gemacht, dass wir zukünftig Dumping-Mindestlöhne auf 3100 Franken für Ungelernte nicht mehr akzeptieren werden. Kurz darauf war die Schweizer Mindestlohninitiative zwar an der Urne gescheitert, doch viele schweizerische Branchen und Betriebe erhöhten ihre tiefsten Löhne freiwillig auf 3700 bis 4000 Franken.
Der damalige CEO der Firma Herbert Ospelt Anstalt, Peter Luder, hatte in einem Interview versprochen, dass alle Mitarbeitenden ab Januar 2015 einen Lohn von mindestens 4000 Franken erhalten werden. Unter der Führung von Peter Luder war die betriebseigene Arbeitnehmervertretung immer in die Entscheidungsprozesse eingebunden worden.
Anfang 2015 kam alles anders. Die Löhne wurden nicht auf 4000 Franken erhöht. Stattdessen musste Peter Luder am 7. Januar den Platz des CEO für Alexander Ospelt räumen. Am 15. Januar hob die Schweizer Nationalbank (SNB) die Währungsuntergrenze auf, wovon sicher auch die Herbert Ospelt Anstalt betroffen war, da ein Grossteil ihres Umsatzes im Euroraum erzielt wird. Dennoch informierte uns der Präsident der Arbeitnehmervertretung noch vor wenigen Wochen, dass keine Einsparungsmassnahmen in Bezug auf die Löhne oder die Arbeitszeiten geplant seien.
Am vergangenen Dienstag wurde der LANV gleichzeitig mit der Presse über die geplanten Lohnkürzungen und die Einführung von Eurolöhnen in der Tiernahrungsabteilung der Herbert Ospelt Anstalt informiert. Der LANV wurde vor vollendete Tatsachen gestellt. Ist das der zukünftige Umgang mit dem Sozialpartner? Entgegen der gesamtarbeitsvertraglichen Bestimmungen wurde auch die betriebseigene Arbeitnehmervertretung nicht in den Prozess eingebunden.
Der LANV ist klar der Meinung, dass Währungsrisiken nicht auf die Arbeitnehmenden abgewälzt werden dürfen und dass Löhne in der Landeswährung bezahlt werden müssen. Obwohl schon mehrere kleinere Firmen auf Eurolöhne umgestellt haben, wird mit dem Entscheid der Herbert Ospelt Anstalt endgültig ein Tabu gebrochen.
Die Euro-Löhne gehen einher mit Lohnkürzungen von 9 Prozent, was bedeutet, dass viele der 460 betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ab Oktober gerade mal knapp über den aktuellen Mindestlohn von 3100 Franken kommen.
Vor diesem Hintergrund erscheint die Bitte der LIHK, die laufende Mindestlohnverhandlung infolge des SNB-Entscheids auf den September zu verschieben, in einem ganz anderen Licht. Offensichtlich besteht gar kein Verhandlungsspielraum mehr. Trotz der aktuellen Frankenstärke akzeptiert der LANV keine Dumpinglöhne mehr. Notfalls werden wir andere Wege finden, anständige Mindestlöhne durchzusetzen.

Sigi Langenbahn, Christine Schädler, Petra Eichele und Martina Haas, LANV

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