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Leserbrief

Sehr geehrter Herr Benvenuti

Dr.med. Marco Ospelt,Dröschistrasse 9, Triesen | 7. Mai 2015

KVG-Revision

Billigmedizin, Tarifpflege, Kostenziele, Teuermedizin – man sieht’s den Begriffen an: Es geht auch in der aktuellen KVG-Revision nicht mehr um Gesundheit, sondern um Kommerz pur. Und wenn nicht endlich von allen kapiert wird, dass Gesundheit weder ver- noch gekauft werden kann, wird unser Gesundheitswesen weiter dahinsiechen, die Prämien werden munter steigen und im reziproken Verhältnis dazu die Menschen immer mehr kränkeln. Ich kenne zufällig die Broschüre eines liechtensteinischen Arztes, der diese Probleme schon 1998 aufgezeigt hat. Es wäre an der Zeit, das Problem endlich zu lösen statt zu zerreden.

Sigi Scherrer,
Landstrasse 79, Vaduz

Die Schlagzeile der Ärztekammer, dass nunmehr zehn Ärzte in Liechtenstein fehlen, mag einen wirklich sehr verwundern. Dazu noch einmal eine Chronologie.
Vor über zehn Jahren hat die Ärztekammer – ohne eine Bedarfsplanung – beschlossen, dass nur durch einen langjährigen Ärztestopp das Gesundheitswesen in Liechtenstein geschützt werden könne. Dann gab es vor etwa zehn Jahren eine Bedarfsplanung, die lediglich den damaligen Stand festschrieb. Nach zehn Jahren des Nichts tun oder der falschen Bedarfsplanung kommt man nun zum Schluss, dass zehn Ärzte fehlen. Vehement habe ich mich schon vor mehr als zehn Jahren gegen diesen Ärztestopp ausgesprochen und auch davor gewarnt. Ich meinte damals, dass eine einzigartige Gelegenheit, gute Ärzte in unser Land zu bekommen, völlig versäumt wird. Auch das jetzige Ergebnis ist zu bezweifeln, denn zehn Ärzte mehr sind lediglich eine Minimalanforderung der Grundversorgung. Von einer guten Grundversorgung kann dabei aber keine Rede sein. Wir bräuchten also ganz bestimmt 20 mehr.
Es ist zwar schön, dass langsam aber sicher einige Gedanken zum Gesundheitssystem gemacht werden, aber nötig sind nicht einige Gedanken, sondern ein wirkliches Gesundheitssystem aufzubauen. Dabei ist eben die Grundversorgung – und deren Bedarfsplanung – lediglich ein kleiner Teilaspekt der im gesamten Grossen eingearbeitet werden sollte. Aber von diesem gesamten Grossen weiss niemand, redet niemand. Oder es fehlt eine Konzeption. Mit dem hinterherhinken Einzelner und einsamer Entscheidungen, wie etwa einer Bedarfsplanung, kann ein Gesundheitssystem jedenfalls nicht verbessert und reformiert werden.

Harald R. Eckstein, Dr.med.univ.,
Landstrasse 374, Triesen

Positionspapier des Liechtensteinischen Krankenkassenverbandes (LKV) zum Bericht und Antrag betreffend die KVG-Revision: Die in einem offenen Brief geäusserten Bedenken von besorgten Bürgerinnen und Bürgern nimmt der LKV ernst – sie sind aber unbegründet. Der Liechtensteinische Krankenkassenverband hat bereits in der Vernehmlassung zur KVG-Reform Stellung zu einzelnen Punkten genommen. Nun veröffentlicht der LKV sein Positionspapier zur anstehenden 1. Lesung des Berichts und Antrags zur KVG-Reform durch den Landtag. Das Positionspapier kann unter www.lkv.li eingesehen werden.
Der LKV setzt sich für ein finanzierbares und qualitativ hochstehendes Gesundheitswesen ein. In diesem Sinne hat der LKV die generelle Stossrichtung der KVG-Vorlage bereits in der Vernehmlassung begrüsst. Es ergibt sich eine ausgewogene Lösung zwischen Massnahmen auf der Finanzierungs- und auf der Leistungsseite, wobei die Leistungserbringer mit der Vorlage keine finanziellen Konsequenzen zu tragen haben. Der LKV weist darauf hin, dass in der aktuellen Vorlage nur finanzielle Änderungen bei Prämienzahlerinnen und Prämienzahlern stattfinden. Die Krankenversicherer sind aber laufend in Gesprächen und Tarifverhandlungen mit Verbänden von Leistungserbringern, um eine möglichst optimale Versorgung zu möglichst günstigen Preisen sicherzustellen.
Während die Erhöhung der Eigenverantwortung und die Beibehaltung der niedrigen Prämien für Kinder und Jugendliche sowie die Kostenbeteiligungsbefreiung der Mutterschaftsleistungen als kluge Familienförderungsmassnahmen begrüsst werden, wird die Ungleichbehandlung von Versicherten durch die Befreiung von einigen, ausgewählten chronisch Kranken abgelehnt. Im Bereich der Massnahmen, welche die Leistungserbringer betreffen, werden die weiterhin partnerschaftlich stattfindende Bedarfsplanung und die Befristung und Konkretisierung der Verträge von Leistungserbringerinnen und Leistungserbringern als Gewinn für die Versicherten und Leistungserbringer gesehen. Die Bedarfsplanung wird so qualitativ verbessert und Leistungserbringer können Teilzeitmodelle, Stellvertretungen und Nachfolgeregelungen zusammen mit dem LKV viel besser umsetzen.
Einige Punkte, wie die solidarische Finanzierung von Mutterschaftsleistungen, sind theoretisch und praktisch, wie sie von der Regierung angedacht sind, kaum umzusetzen. Hier sollten bis zur 2. Lesung noch detailliertere Abklärungen getroffen werden. Ebenfalls wurden auf Seiten des LKV die Punkte «Tarifierung nach Lebens- statt Eintrittsalter» und «Kick-backs» eingebracht. Diese Fragen könnten ebenfalls bis zur 2. Lesung geklärt werden. Der LKV hofft, dass das Parlament dies zugunsten der Versicherten noch im Zuge der 1. Lesung aufnimmt.
Die jüngst in einem offenen Brief geäusserten Bedenken von besorgten Bürgerinnen und Bürgern nehmen wir ernst, sie sollten unbedingt in die Landtagsdebatte aufgenommen werden. Dort wird sich zeigen, dass diese Bedenken unbegründet sind. So ist die Versorgungssicherheit oder freie Arztwahl auf Grund der Befristung und genaueren Definition von Verträgen nicht bedroht, sondern wird sogar gesteigert. Teilzeitmodelle, Stellvertretungen und Nachfolgeregelungen werden erst möglich gemacht. Dazu muss aber Art und Umfang der Leistung (Fachgebiet und Beschäftigungsprozente etc.) geregelt werden. Erst diese machen eine sinnvolle Bedarfsplanung durchführbar. All diese Änderungen haben mit einem Eingriff in die Behandlungsfreiheit der behandelnden Ärztin oder des behandelnden Arztes nichts zu tun. Der LKV betont noch einmal, dass die Prämienzahlerinnen und Prämienzahler keine «Billigmedizin» möchten. Genauso wenig sind die Prämienzahlerinnen und Prämienzahler aber an einer «Teuermedizin» interessiert.
Unbestritten dürfte der Reformbedarf sein. Der LKV hofft daher, dass die Vorlage diskutiert, angepasst und verabschiedet wird. Für eine finanzierbare und qualitativ hochstehende Gesundheitsversorgung ist eine Revision dringend notwendig. Ein Scheitern der KVG-Reform ginge zu Lasten der Prämienzahlerinnen und Prämienzahler.

Liechtensteinischer Krankenkassenverband (LKV)

Ihr Kommentar zum Entscheid der Regierung, den Schweizer Ärztetarif Tarmed nach dessen Revision durch die schweizerischen Tarifpartner auch in Liechtenstein einzuführen zeigt mir, dass sie das Anliegen von uns Ärzten nicht begriffen haben. Wir waren gegen den heutigen Tarmed gerade deshalb, weil er die Leistungen nicht korrekt abbildet. Unter anderem, weil er die technischen Leistungen (zum Beispiel die Durchführung eines Ultraschalls) viel zu hoch vergütet, und dafür die eigentliche ärztliche Leistung (z. B. das Gespräch) zu niedrig einstuft.
Wenn diese Fehlbewertungen tatsächlich behoben werden können, hat die Regierung die Ärzte bei der Einführung dieses korrigierten Tarmeds auf ihrer Seite. Ich befürchte nur, Ihre Prognose, das werde 2017 sein, liegt um Jahre daneben. Denn in der Schweiz bemühen sich die Tarifpartner seit vielen Jahren um diese Tarifkorrektur. Diese Bemühungen haben in der Schweiz lange vor der Diskussion um unseren derzeit gültigen liechtensteinischen Arzttarif begonnnen, der im August 2014 eingeführt wurde. Sie erinnern sich an die Klagen der Regierung, die Tarifpartner in Liechtenstein – und damit meinte sie vor allem die Vertreter der Ärztekammer – würden eine Einigung verschleppen? Und gerade eine solche Einigung ist in der Schweiz auch heute noch in weiter Ferne.
Im Übrigen erstaunt es mich schon, dass gerade Sie, der so tief im Glashaus sitzt, so heftig mit Steinen um sich wirft – will sagen, sich so heftig für die Senkung der Kosten auf «Schweizer Niveau» einsetzt. Nicht auszumalen, was aus Ihren Kommentaren würde, wenn der Landtag die Staatsbeiträge an Ihre Zeitung auf Schweizer Niveau bringen würde! Konkret: Wir wären endlich davon befreit! Hochachtungsvoll,

Dr.med. Marco Ospelt,
Dröschistrasse 9, Triesen

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