Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Leserbrief

Umfrage bestätigt Unterversorgung bei Hausärzten

Liechtensteinische Ärztekammer | 5. Mai 2015

KVG-Revision

Eine Mitgliederumfrage der Ärztekammer bestätigt, dass die Hausarztmedizin in Liechtenstein deutlich unterversorgt ist. Im Rahmen der Umfrage wurden alle niedergelassenen Hausärzte nach deren Arbeitspensum befragt. Diese mussten erklären, wie viel Stunden pro Woche sie für den Patienten aufwenden. Das Ergebnis wurde anschlies-send auf die einzelnen Gemeinden, die beiden Landesteile und Liechtenstein insgesamt aufgeschlüsselt.
Als Massstab für die Beurteilung der Versorgungsdichte dienten die von der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) definierten Standards. Danach ist für die medizinische Grundversorgung von 1000 Einwohnern 1 Hausarzt notwendig. Umgelegt auf Liechtenstein bedeutet dies, dass 37 in Vollzeit tätige Hausärzte notwendig wären, um die Bevölkerung adäquat zu versorgen.
Die Auswertung der Umfrage belegt eine deutliche Unterschreitung des OECD-Standards in Liechtenstein. Statt der benötigten 3700 Stellenprozente (entspricht 37 Vollzeitstellen) sind gemäss der internen Erhebung in Liechtenstein heute lediglich 2750 Stellenprozente verfügbar. Das heisst, dass ca. 10 neue Hausärzte notwendig wären, um die OECD-Standards zu erfüllen. Aufgrund des relativ hohen Altersdurchschnitts der Hausärzte wird die Unterversorgung bis 2020 zudem kontinuierlich zunehmen, da einige Hausärzte ihr Pensum mit dem Alter langsam reduzieren werden und andere bis dahin gänzlich aufhören, zu arbeiten.
Die Umfrage zeigt weiter eine sehr heterogene Verteilung der Hausarztpraxen. So ist in Vaduz und in mehreren Gemeinden im Unterland eine markantere Unterversorgung feststellbar, die Gemeinden Gamprin-Bendern und Schellenberg haben gar keine medizinische Grundversorgung innerhalb des Gemeindegebietes.
Die Gründe für die Unterversorgung sind gesundheitspolitisch hinlänglich bekannt: sinkendes Interesse der Medizinstudenten am Hausarztberuf, eine starre und unflexible Nachfolgeregelung in der Bedarfsplanung, das Fehlen eines Teilzeitmodelles und einer «Senioren-OKP» für Ärzte, welche langsam die Übergabe der Praxen vorbereiten und ihr Pensum kontinuierlich zurückschrauben. Die Ärztekammer hat der Politik daher bereits vor einem Jahr ausgearbeitete Lösungsmodelle angeboten, welche bei der KVG-Revision jedoch nicht berücksichtigt und «schubladisiert» wurden. Dem nicht genug, würden die befristeten OKP-Verträge in der gegenständlichen KVG-Revision das Problem zusätzlich verschärfen. Grund ist die fehlende Planungs- und Rechtssicherheit, die die Rahmenbedingungen verschlechtern und die notwendige Attraktivität des Hausarztberufs für die Nachfolgeplanung in Liechtenstein weiter schmälern würde. Befristete OKP-Verträge hemmen somit die Suche nach neuen Hausärzten massiv und verstärken mittelfristig die Unterversorgung der Hausarztmedizin. Damit sägt die Politik am stabilsten Ast der medizinischen Versorgung, da die Hausarztmedizin Dreh- und Angelpunkt der Versorgung bildet und die Kosten möglichst niedrig hält. Die Kostensteigerung der Hausarztmedizin verläuft seit Jahren sehr flach und trägt damit ihren Teil zur Stabilisierung der Kostensteigerung im Gesundheitswesen bei.
Diese aktuelle Erhebung der Arbeitsgruppe Grundversorgung, welcher die Hausärzte Dr. Pepo Frick, Dr. Ecki Hermann, Dr. Alexandra Marxer, Dr. Hermann Bürzle, Dr. Claudio Canova und Dr. Brigitte Canova-Erni angehören, arbeitet ein längst bekanntes Problem nun statistisch auf. Wir fordern daher die Politik auf, gemeinsam mit den Verbänden Massnahmen aufzugleisen, welche die Rekrutierung von jungen Hausärzten unterstützen und der Unterversorgung Einhalt gebieten. Dazu gehören die von der Ärztekammer erarbeiteten Verbesserungen bei der Bedarfsplanung und die aktive Förderung junger Hausärzte durch Ausbildungskolloquien. Die geplante Befristung der OKP-Verträge und deren willkürliche Nichtverlängerung zielen allerdings genau in die gegensätzliche Richtung und werden das Problem der Unterversorgung verschlimmern, statt es zu beheben.

Liechtensteinische Ärztekammer

Teile diesen Leserbrief mit deinen Freunden

Leserbrief schreiben

Wie denken Sie darüber?
Titel
Text 0 / 2500 Zeichen
Weiter
Volksblatt Werbung