Leserbrief

Kritisiere die Regierung nie zum Scherz, denn sie fühlt wie du den Schmerz

Jo. Schädler,Eschnerstarsse 64, Bendern | 4. Mai 2015

Landespolitik

Regierungschef Hasler ermahnt im «Volksblatt», dass in den letzten Monaten ein sehr negativer und oft sogar rauer Ton zu vernehmen wäre. Man hätte den Eindruck, dass alles und jedes «vernütet» wird. Alles, von der Idee zum Projekt, bis hin zur Eröffnung würde sofort zerzaust. Man hätte den Eindruck, als dürfte in diesem Lande nichts mehr gedeihen. Täter wären die Leserbriefschreiber, die es sich zur Aufgabe gemacht hätten, den Samen schon im Boden zu zertreten und fragt bange: Warum denn nur?
Ja, warum nur? Leserbriefe sind beliebtes und wichtiges Mittel, Frust, Meinungen, Ansichten kundzutun. Sie heben sich ab von der dümmlichen Konservenjournaille, die uns allen einredet, dass wir glücklich und dankbar zu sein haben. Diese Dankbarkeit würden dann die Politiker, die nicht müde werden, sich selber im besten Lichte darzustellen, gerne und auch dankbar entgegennehmen. Ihr gutes Recht?
Doch Dankbarkeit wofür? Die Gesellschaft, welche die Politik so gerne als intakt und glücklich darzustellen versucht, ist längst ausgebrannt und müde. Die Menschen sind im Teufelskreis des Erfolges gefesselt. Immer mehr halten diesem Druck nicht stand, resignieren, fallen in Depressionen, werden krank. Die stetig steigende Zahl der Ärzte, Polizisten und Gerichtsvollzieher in diesem kleinen Land sprechen Bände. Es geht tief, wenn man am Pranger in der Zeitung liest, dass das reichste Land der Erde einer armen Frau die Kommode, Blumenvase und sogar den Spiegel versteigert. Horrende Mieten, Grundstückpreise, Krankenkassenprämien, Überfremdung usw. bei seit Langem stagnierenden oder gar gesunkenen Löhnen machen die Menschen mutlos. Die Selbstzweck Sparprogramme und die fehlenden Visionen der Regierung für unsere Zukunft noch mehr. Das kann man alles schönreden, aber man kann dem auch in die Augen sehen.
Wenn nun der höchste Mann im Staate, dem es wohl an Streicheleinheiten fehlt, kritische Stimmen anmahnt, sie sollen verstummen, muss einem das zu denken geben. Wähnte man die diktatorische Unterdrückung der Meinungsfreiheit in Europa ausgerottet. Ich teile deine Meinung nicht, aber ich werde mich immer dafür einsetzen, dass du sie sagen darfst, muss das Credo auch dann sein wenn, es unangenehm ist. Die Freiheit und die Toleranz der Gesellschaft, die sich darauf stützt etwas zu ertragen, auch wenn man anderer Meinung ist, gerät durch solche Abmahnung von ganz oben das Maul zu halten und zu parieren in grosse Gefahr.


Jo. Schädler,
Eschnerstarsse 64, Bendern

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