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Leserbrief

Eine Fehldiagnose

Hans Mechnig,Tröxlegass 46, Schaan | 28. April 2015

Mindestertragssteuer

Gewisse Kreise fordern die Erhöhung der Mindestertragssteuer auf 2000 Franken zur weiteren Sanierung des Staatshaushaltes.
Offensichtlich ist den Leuten nicht klar, dass sich Liechtenstein in einem Konkurrenzumfeld bewegt beziehungsweise wie leicht eine FL-Stiftung nach zum Beispiel Panama verlegt werden kann, welche das FL-Stiftungsrecht mehr oder weniger «kopiert» haben. Der gleiche FL-Treuhänder behält den gleichen Auslandkunden bei der gleichen Bank, jedoch zahlt die Stiftung dann nicht mehr 2000 Franken (sofern die Erhöhung beschlossen würde) Steuern nach Vaduz, sondern 300 US-Dollar (= circa 15 Prozent) nach Panama, oder an ein anderes Land.
Schlussendlich könnte eine solche zweite Steuererhöhung innert weniger Jahre dazu führen, dass sehr viel weniger Geld in der Haushaltskasse landet, als ohne Steuererhöhung. Und es sind ja nicht nur die bestehenden Kunden, sondern vor allem auch die allfälligen Neukunden, welche sich möglicherweise durch diese (im Vergleich zu anderen Finanzzentren) erhöhten Steuern – und vor allem wegen Aufwärtstrend und Unberechenbarkeit der Steuersituation verunsichern lassen und gar nie nach Liechtenstein kommen.
Wir haben in den vergangenen Jahren bereits über 50 Prozent aller Stiftungen verloren – und wollen nun freiwillig weiter am Ast sägen?
Bei dieser unglücklichen Steuerdiskussion erinnere ich mich unweigerlich an eine Diskussion, die ich in Frankreich mitgehört habe: Eine Gruppe von Südfranzosen, welche im Tourismus und Gastgewerbe tätig sind, haben sich Sorgen gemacht, weil die Gästezahlen zurückgegangen sind. Sie waren sich im Klaren, dass die Preise einfach zu hoch geworden sind und viele Gäste in günstigere Destinationen gewechselt haben. Einzig der Sozialist in der Diskussionsrunde glaubte die Lösung für das Problem zu haben: Er forderte eine Erhöhung der Preise, um die Einkommensausfälle wettzumachen ...

Beat Oehri,
Austrasse 37, Vaduz

Herrscht im sozialistischen Lager derzeit eine leichte Begriffsverwirrung? Anscheinend versteht man im Moment selber nicht ganz, welches (kapitalistische) Schwein man gerade der Schlachtung zuführen will. Man müsste dort eigentlich wissen, dass der Treuhänder in Sachen Mindestertragssteuer in der Regel lediglich Zahlstelle ist. Schlussendlich bezahlt der Treuhandkunde diese Abgabe und nicht der Treuhänder. Natürlich ist es aber auch so, dass das für echte Klassenkämpfer, mit dem Blick auf das grosse Ganze, nur eine untergeordnete Rolle spielen kann. Dort gilt nach wie vor die Parole: «Solange ich es nicht bin, ist es egal, wer zahlt!»

Hans Mechnig,
Tröxlegass 46, Schaan

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