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Leserbrief

Direkte Konfrontation zwischen Gesellschaftsminister und Ärztekammer bisher vermieden (Teil 1)

Ruth Schöb,Auring 57, Vaduz | 25. April 2015

KVG-Revision

Untersuchungen und Medikamente sind wichtig. Zuviel Untersuchungen und zu viel Medikamente sind schädlich. Was tun Patienten, die wochen- und monatelang mit vielen Apparaten von verschiedenen Ärzten untersucht werden und zum Schluss immer noch keine aussagekräftige Diagnose haben?
Was tun Patienten, wenn sie im Laufe von Monaten und Jahren immer mehr Medikamente schlucken müssen (beginnend mit ein oder zwei Medikamenten, ansteigend bis zu 12-15 verschiedene Medis) und immer noch nicht gesund sind?
Was tun Patienten, wenn ihr Leben von ständigen Arztbesuchen beherrscht wird? Das führt unweigerlich zu Depressionen, aber macht nichts, dafür gibt es ja Antidepressiva samt Nebenwirkung.
Was tun Patienten, wenn sie durch die vielen Medis mit Nierenversagen ins Spital eingeliefert werden müssen? Sagt ihnen der Arzt, dass dieses Nierenversagen von den vielen Medis kommt?
Hat sich bisher noch niemand gefragt, warum wir immer mehr chronisch Kranke haben und immer mehr Patienten zum IV-Fall werden?
Warum ist es so schwer, den Ärzten Fragen zu stellen betr. Therapien und Medikamenten im Sinne von Eigenverantwortung?
Ist blindes Vertrauen in die Ärzteschaft nicht schon veraltet? Müssen Patienten nicht auch eine Verantwortung für ihre Gesundheit übernehmen?
Warum müssen Patienten mit Eigenverantwortung, die weniger zum Arzt gehen und weniger oder gar keine Medis schlucken, solidarisch alles mitfinanzieren? Nur weil auch es Patienten gibt, die vollkommen von den Ärzten abhängig sind?
Ist es so schrecklich, wenn die Verträge der Ärzte auf vier Jahre beschränkt sind? Ärzte, die zum Wohle der Patienten handeln, hätten keine Probleme, den Vertrag zu verlängern. Schwarze Schafe könnten Probleme bekommen und das ist auch gut so.
Fakt ist, dass es so nicht weitergehen kann. Es muss eine Änderung stattfinden, sonst können wir die Prämien nicht mehr bezahlen.

Agnes Dentsch,
Poliweg 12, Ruggell

Als Prämienzahlerin und mündige liechtensteinische Bürgerin wünsche ich mir in der wichtigen Sache der KVG-Revision endlich eine Gegenüberstellung des Gesellschaftsministers und der Ärztekammerpräsidentin im Radio L oder 1FLTV. Seitens der Ärztekammer wäre dies seit Längerem gewünscht, warum weigert sich der Gesellschaftsminister, diesem Wunsch nachzukommen? Man darf spekulieren … Aus dem Gespräch mit Herrn Mauro Pedrazzini und Radio L vom 19. April höre ich polemische Sätze wie «Die Ärztekammer benutze die vorgesehene Befristung der OKP-Verträge auf max. 4 Jahre als Angstmacherei im Volk, weil dies eine Billigmedizin zur Folge hätte». Aber, wenn dies nicht der Grund ist, würde doch der Sparwille gar nicht erreicht, darum geht es doch, oder liege ich da völlig falsch mit meiner Annahme? Wir reden doch bei dieser Revision nur davon, wie und wo man sparen muss. Es liegt doch auf der Hand, dass dann ein Arzt mit seiner teuren Medizin eher um eine Verlängerung seines Vertrages bangen muss als einer, der billig arbeitet. Der Minister sagt, wir sind weit weg von einer Billigmedizin. Das wird sich schnell ändern, wenn Ärzte (dafür haben sie Jahrzehnte studiert) mit diesem max. Vier-Jahresvertrag von Nichtmedizinern, sprich Bürokraten, überwacht bzw. sanktioniert werden. Warum soll ein leistungsfähiger 80-Jähriger noch ein teures Medikament bekommen, wenn es billigere mit schlechterer Wirkung und mehr Nebenwirkungen auch gibt? Die neue Hüftgelenkprothese braucht er sowieso nicht mehr, dies alles aus Kostengründen (findet alles im Ausland schon statt). Ärzte sind aber an Standesrichtlinien gebunden, die besagen, dass der Patient das für ihn Bestgeeignete bekommen soll. Weiter höre ich, dass es ein Privileg für den Arzt ist, mit der Kasse abrechnen zu dürfen. Ja, wie denn sonst? Die Grundversorgung einer Bevölkerung ist doch nur so möglich. Das weitere Sonderrecht, die Abgabe der Medikamente, woran der Arzt 1/3 verdiene, was ihn schnell verlocke, zugunsten seines Umsatzes eine oder zwei Schachteln Medikamente mehr abzugeben, als nötig. Des Weiteren ist zu hören, dass der Arzt den Patienten fünf Minuten sieht und 45 Minuten abrechnet … Gemäss dem Minister wünschen sich Ärzte unkritische Patienten. Das sind doch gröbste Mutmassungen und dies aus dem Munde eines Ministers. Den Erwachsenen kann man gemäss Minister nur über den «Geldsäckel» erziehen, es muss finanziell weh tun, zum Arzt zu gehen, dies sein Credo. Das sind Stammtischparolen. Da läuft es mir heiss und kalt den Rücken hinunter. Ich will und muss mich nicht erziehen lassen und es genügt, wenn mir die Krankheit weh tut und nicht auch der Gang zum Arzt.
Die dargestellte Statistik (Vergleich mit der Schweiz) stimmt zahlen- mässig nicht (tiers payant, tiers garant).

Ruth Schöb,
Auring 57, Vaduz

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