Leserbrief

Humorlos, ordinär und dumm

Marina Kieber-Ospelt,Binzastrasse 6, Mauren | 24. April 2015

Kiebers Soloprogramm

Ich habe das Programm von Felix Kieber, dem «neuen Propheten des liechtensteinischen Humors», wie er sich selbst bezeichnet, im Schlösslekeller vom vergangenen Wochenende nicht gesehen, sondern beziehe mich auf die Berichte im «Volksblatt» und «Vaterland». Dekorationen auf dem Weg in den Theaterraum gaben Einblick in das Innenleben von Felix Kieber, «ein Bibelzitat neben einem überdimensionierten Penis». Gott imitierend, fasste er sich in den Schritt und erklärte, was «es mit der unbefleckten Empfängnis auf sich hatte». Die Entstehung der Bibel führte er auf eine «Art Männerclub» zurück, der nach einem Mittel suchte, «ein von ihnen entwickeltes Produkt, die Hostie, unter die Leute zu bringen». Es ist das «TAK, die kulturelle Hochburg Liechtensteins – eigentlich ein Bauernhof am Arsch der Welt». – «Wenn du in die Dusche kotzen willst, musst du vorher ganz gut kauen.» Wie fühlt sich das Älterwerden an, wenn man «bis 11 Uhr morgens schläft und den restlichen Tag mit YouTube, wichsen und Essen verbringt». Aber auch: «Dass ich der Meinung bin, man sollte alte Menschen umbringen, heisst nicht, dass ich sie hasse.» Und schliesslich: «Ich habe nichts gegen das Unterland. Jedes Land braucht seine Juden.»
Felix Kieber sucht nach eigenen Aussagen ein «aufgeklärtes, jüngeres Publikum». Ist man also alt und nicht aufgeklärt, wenn man hier mehr als Regeln des guten Geschmacks verletzt sieht? Muss man sich in Toleranz verbiegen, solches nicht nur anhören, sondern dazu auch noch lachen und Beifall klatschen?
Das «Volksblatt» ist begeistert, wie Felix Kieber «die humorvollen und wortgewandten Wendungen in einer grandiosen Mischung aus Stand-up-Comedy und kabarettistischem Erzähltheater darbot». Wo ist hier die Messlatte beim Kultur-Journalismus?
Und, zu einem Theater sollte man Vertrauen haben können. Es ist erstaunlich, dass der Schlösslekeller solch pervertierten Humor in einer Zusatzaufführung zum Besten geben lässt.

Marina Kieber-Ospelt,
Binzastrasse 6, Mauren

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