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Leserbrief

Der Papst und seine Weltanschauung: Pädophile Priester

Víctor Arévalo, Univ.-Prof. Dr. iur.,Auring 56, Vaduz | 23. April 2015

Glaube

Josef Weselowski – von November 1999 bis August 2013 Erzbischof, Nuntius und Spitzendiplomat des Vatikans – erwarten jetzt wegen Pädophilie zwölf Jahre Gefängnis, wenn er die Auslieferungen nach der Dominikanischen Republik, Polen, Japan, Indien, Dänemark, Bolivien, Usbekistan und in die Schweiz übersteht. Da es sich beim 67-jährigen früheren Nuntius um einen gemeingefährlichen Zwangsverbrecher handelt, bewacht ihn die Gendarmerie des Vatikans rund um die Uhr. Dass der Papst selbst handeln sollte, um ihn einzukerkern, spricht Bände über Nachsicht und Langmut von Richtern, die keine Fluchtgefahr beim Verurteilten wahrnehmen wollten.
Frage an den Papst: «Was kann der Vatikan gegen pädophile Priester unternehmen?» Jorge: «Pädophile Priester sind individuell kein Problem, wenn die Justiz diese verhaftet, den Prozess macht, verurteilt und bestraft. Wenn sich der Sexualverbrecher zur Zeit der Anklage im Ausland oder im Vatikan befindet, fällt nicht ins Gewicht. Keine diplomatische Immunität darf den Prozess erschweren, ebenso wenig wie der Vatikan beanspruchen, wie es oft früher geschah, die Angeklagten den zuständigen Gerichtsbehörden des Tatorts zu entziehen. Das Problem lag jedoch in internationalen Verbrecherbanden, die innerhalb der Kurie operierten, Netzwerke von pädophilen Priestern förderten, politische Machtfaktoren wurden und die Existenz der Kirche gefährdeten.»
Was Kindermissbrauch betrifft, hat der Papst dafür gesorgt, dass Fachjuristen altbekannte Schlupflöcher des Kirchenrechts schliessen. Die meisten Schwachstellen lagen im Prozess. Zentral betraf solches das
Auslieferungsverfahren, die Vollstreckung von internationalen Haftbefehlen gegen Priester und die Existenz von Freihäfen oder Frevlerherbergen. Als paradigmatischer Fall einer kriminellen Organisation, die sich hinter einem Kirchenorden versteckte, gelten die «Legionäre Christi». Diesen Orden gründete ein pädophiler Pseudo-Priester. Meisterhaft beschreibt ein FAZ-Beitrag, wie die Perversität eines Einzelnen die Spitze einer Weltreligion unterwandern, verderben und zerrütten kann: http://tinyurl.com/m4m5yex.
Gestern musste der US-Bischof von Missouri, Robert Finn, auf sein Amt verzichten, weil er die Taten eines pädophilen Priesters, der deshalb zu 50 Jahren Haft verurteilt wurde, verschwiegen hatte. Dies entspricht der Strategie des Papstes, die Schlüsselfiguren der Netzwerke, die den Pädophilen Zuflucht anbieten, auszuschalten. Damit kann der Vatikan ganze Bistümer umgehend intervenieren und gründlichst säubern.
Mit freundlichen Grüssen

Víctor Arévalo, Univ.-Prof. Dr. iur.,
Auring 56, Vaduz

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