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Leserbrief

Koste es, was es wolle ...

Ruth Schöb, Vaduz | 13. April 2015

Gesundheitskosten

Unlängst befand ich mich 7 Tage im Landesspital Vaduz, wozu zu sagen ist, dass das Pflegepersonal trotz Zeitmangel sehr freundlich, kompetent und zuvorkommend dem Patienten jeden Wunsch von den Augen abliest. Als Privatpatientin sah ich den Chefarzt nie, die Visite mit Oberarzt zweimal kurz nachmittags, am 3. Tag wurde die entsprechende Fachärztin als Konsiliar zugezogen. Fazit: 7 Tage Fallpauschale 7565 Franken, der Austrittstag morgens wird auch verrechnet, dazu kommt meine Privatzusatzversicherung, die schlägt noch mit 3918 Franken zu Buche. Die Krankenkasse bezahlt diese Spitaltarife dem Krankenhaus glücklicherweise –oder eher leider? (Und ich bezahle dafür meine hohe Prämie.) Liegt nicht genau da unsere Gesundheitsmisere? Wer handelt solch teure Tarife aus?
Das Spital ist ein Unternehmen, welches profitorientiert arbeiten muss. Muss es das wirklich? So gesehen, können die horrenden Kosten im Gesundheitswesen doch gar nicht radikal reduziert werden. Müsste man nicht da generell über einen Systemwechsel nachdenken? Jeder kann sich ausrechnen, wie kostspielig eine Spitalrechnung ausfällt, wo MRI, Intensivstation, Operationen anfallen. Die hohen Kosten verursachen doch nicht der Hausarzt oder Facharzt. Dass der Gesundheitsminister, der LKV auch die Ansicht vertreten, dass den Ärzten die Befristung der OKP-Verträge auf 4 Jahre zugemutet wird, finde ich unmoralisch, ja bevormundend. Zweifellos wird so durch die Hintertüre eine Billigmedizin dem Volk und dem Arzt aufgezwungen. Da mangelt es doch eindeutig am Vertrauen in die Arbeit des Arztes.
Hat sich der Sozialminister auch schon überlegt, dass der Arzt einen Standesethos, einen Eid vertritt und für ihn der Patient und seine Gesundheit an erster Stelle steht und nicht sein Profit? (Schwarze Schafe gibt es überall.) Ein Arzt bzw. Hausarzt hat öfters einen 10- oder 12-Stundentag, er darf sich dabei keinen Fehler erlauben, denn der könnte möglicherweise tödlich enden. Sind dafür sein Einkommen zu hoch und Sanktionen von Nöten? Weder Arzt noch Patient suchen sich freiwillig eine aufwendige und teure Krankheit aus, die mehrmalige Arztbesuche und teure Medikamente erfordert. Nach dem neuen KVG wird der Arzt dafür sanktioniert, wenn er entsprechend viele schwerstkranke teure Patienten behandelt. Der Kranke wird bestraft mit hohem Selbstbehalt und Franchise. So verzichtet er nötigenfalls auf den Arztbesuch und spart?! Am einfachsten lehnt der Arzt diese unliebsamen schwerstkranken Patienten von vornherein ab und steht dafür mit seiner Statistik gut da. Er kann diese Patienten ja dafür ins weit kostenintensivere Spital überweisen ...
Die KVG-Revision ist so nicht sozialverträglich und sie ist alles andere als solidarisch, und zum guten Schluss werden so kaum Kosten eingespart, aber ganz viel Misstrauen gesät. Der kranke, ältere Normalverdiener, einfache Rentner, Chronischkranke können sich weder den hohen Selbstbehalt noch die Franchise, wie vorgesehen, leisten. (Nicht jeder Bewohner hier ist jung und verdient monatlich Zehntausende von Franken.) Jeder kann morgen schon schwerstkranker Patient sein und sollte sich vielleicht mit dieser komplexen Materie weit mehr befassen, als es bisher zu lesen war in Leserbriefen.

Ruth Schöb,
Vaduz

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