Leserbrief

Revolutionäre Einsichten

Hans Mechnig,Tröxlegass 46, Schaan | 9. April 2015

AHV-Reform

Revolutionäre Einsichten verdanke ich der Lektüre des Leitartikels unter dem Titel «Entsolidarisierung führt zur Armut» in der «Liewo» vom vergangenen Sonntag. Dort geht es um die geplante Reform der AHV, damit sie uns – mangels Masse – nicht in ein paar Jahren um die Ohren fliegt. Wie immer in solchen Fällen könnte schlussendlich vor allem mehr Geld das drohende Desaster abwenden. Wie immer in solchen Fällen geht es dann um die zentrale Frage: Wer zahlt die Zeche? Und genau hier hat nun der Autor des «Liewo»-Artikels die zündende Idee, indem er genial die einfache Frage stellt: «Warum nicht einmal dort ansetzen, wo viel Geld vorhanden ist?» Ich weiss nicht, wie es Ihnen geht, aber mir wird in solchen Momenten immer wieder die eigene Mittelmässigkeit bewusst. Die Lösung liegt auf der Hand und doch, selber sieht man sie nicht. Ein anderer verlässt konsequent die ausgetretenen Pfade und zack, knallt das Ei auf die Spitze. Ganz einfach! Wie einst Columbus! Genauso ist es nämlich. Warum nicht – ausnahmsweise – einfach einmal das Geld dort holen, wo es ist? Ob es einem gehört oder nicht? Wen kümmert denn so etwas?! Was spielt das für eine Rolle, dass man das vorher noch nie im Leben gemacht hat? Dann macht man das eben jetzt! Gut, so ganz von alleine ist der Gedanke auch nicht entstanden. Ein bisschen Inspiration kam von der Gewerkschaft Personalverband öffentlicher Verwaltungen Liechtensteins (PVL). Die wollen zukünftig Dividendenausschüttungen der AHV-Beitragspflicht unterstellen. Auch das, ein genialer Schachzug. Das füllt nicht nur die Kasse, sondern man legt gleichzeitig auch allen das Handwerk, die juristische Personen nur deshalb gründen, um damit ihr ohnehin verwerfliches Gewinnstreben zulasten der Allgemeinheit (der ja eigentlich ohnehin alles gehört) auszuleben. Wieder etwas gelernt. Habe ich doch bis jetzt immer geglaubt, dass die Allgemeinheit schlussendlich immer dort am meisten leidet, wo keine Gewinne gemacht werden. Auch Solidarität sehe ich jetzt klar. Bis zum vergangenen Sonntag habe ich immer geglaubt, Solidarität gäbe es nur in Verbindung mit Freiwilligkeit. Roland Baader: «Eine Handlung kann nur moralischen Wert haben, wenn sie weder unter Zwang noch auf Kosten anderer erfolgt.» Seit letztem Sonntag weiss ich: Das darf man nicht so eng sehen, will man andere auf den Pfad der Tugend bringen. Tun sie bockig und entsolidarisieren sich, kann das bei ihnen dann eben zu Armut führen. Man nimmt ihnen dann, was sie haben.

Hans Mechnig,
Tröxlegass 46, Schaan

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