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Leserbrief

«Der Papst und seine Weltanschauung, Sexualleben»

Víctor Arévalo, Univ.-Prof. Dr. iur.,Auring 56, Vaduz | 9. April 2015

Glaube

Frage an den Papst: «Was soll die Kirche auf die Themen der Homosexualität, der Ehen gleichen Geschlechts und deren Wunsch, Kinder zu adoptieren, antworten? Wie sollen wir zu den Gläubigen, die Kinder abtreiben, stehen?»
Jorge: «Darüber, was die Kirche diesbezüglich tun oder unterlassen soll, darf nur die Kirche selbst, das Volk Gottes, entscheiden. Wie lange es dazu braucht, können wir jetzt nicht wissen. Ich zweifle sogar daran, dass sich die Kirche noch während meiner Zeit als Papst dazu entschliesst, solche Sachverhalte neu zu regeln. Dazu, wie ich mich, bis es so weit wird, zu verhalten gedenke, möchte ich mich nur kurz äus­sern. Wenn ein homosexueller Mensch in guten treuen Gott sucht, dann bin ich keiner, der ihn verurteilt. Dies, was ich sage, sagt der Katechismus. Ein Provokateur fragte mich mal, ob ich die Homosexualität billigte; ich entgegnete ihm: «Sag mir! Wenn Gott einen Homo­sexuellen sieht, beachtet er diesen oder verwirft ihn?»
«Und die Abtreibungen? Ich denke etwa an eine Frau, die Kinder abtreiben liess und deren Ehe scheiterte, aber später wieder heiratet, zufrieden ist, fünf Kinder hat, jene Abtreibungen zutiefst bereut und als Christin weitergehen will. Was macht der Beichtvater? Er muss Mittel und Wege suchen, barmherzig zu handeln und dieser Frau helfen.
Gott steht uns bei, findet uns und lichtet uns auf, wenn uns Leidende begegnen. Beichtväter dürfen weder streng noch lax sein. Der Rigorist rezitiert das Gebot und wäscht sich die Hände. Der Laxe verleugnet die Sünde und wäscht sich die Hände. Beide verraten die Kirche, handeln ihrer Pflicht zuwider, schaden den Gläubigen und verfallen der Unbarmherzigkeit. Der Auftrag eines Beichtvaters liegt darin, dass, wer sündigt, Beistand erhält, um sich anders zu verhalten. Beichtväter müssen in die Nacht in ihr Dunkel hinabsteigen und dieses vertreiben.
Das Volk Gottes braucht Hirten, keine Apparatschik oder Staatskleriker. Dies gilt besonders für die Bischöfe, die zunächst von der Herde, die weiss, wie man neue Wege geht, solches lernen sollen, um erst dann Bergführer zu werden. Dies gilt auch für die Ordensfrauen und die Ordenspriester.»
Seit eh und je hat Jorge die Intimsphäre und die religiösen Überzeugungen der Menschen hochgeachtet: «Gott hat uns frei gemacht, sodass es unmöglich wird, ins Persönlichste der Menschen einzudringen. Jedenfalls darf keine Religion ihre Überzeugungen verschweigen.» Jetzt fühlt der Papst es als seine Pflicht, dafür zu sorgen, dass die Kirche, das Volk Gottes, frei darüber entscheidet, was für Gesetze sein sexuelles Dasein regeln müssen.

Víctor Arévalo, Univ.-Prof. Dr. iur.,
Auring 56, Vaduz

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