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Leserbrief

Die Walküre

Jo. Schädler,Eschnerstrasse 64, Bendern | 2. April 2015

Landtagswahlen

Unsere Demokratiebewegung spürte nach den Gemeinderatswahlen einen herben Rückschlag und ein kaum zu überbietendes Defizit für die Demokratie in Liechtenstein auf. Grund dafür wäre der viel zu geringe weibliche Anteil der Gewählten. In ihrem Forumsbeitrag der einem Aufschrei der Elenden und Geschlagenen nach der Schlacht gleichkam, fordert sie die Politik unmissverständlich dazu auf, den Anteil gewählter weiblicher Mitbürgerinnen und Mitbürger unverzüglich auf eine demokratische Quote zu erhöhen. Von den weiblich Wählenden zu den weiblich Gewählten, hatte sich just eine herbe Verdünnung eingefunden. Das Weibliche konnte sich also selbst auf Gemeindeebene nicht halten und erhalten, sondern hat sich infolge eines völlig absurden, dem Weiblichen höchst abträglichen Wahlsystems, in unsäglicher Weise selbst ausdünnen müssen und wurde in der Folge seiner Abschlachtung preisgegeben. Erhebt sich die Frage, was ist denn dran am Weiblichen, das sich nicht einmal bei der Wahl selbst der Ihren Verlässlichkeit, Vertrauen, und Selbstliebe abzuringen vermag. Warum wird die Wahl des Weibes zur Willkür an ihr durch sie selbst? Wurde hier die Walküre Inbegriff ihrer selbst? Aus der Nordischen Mythologie wissen wir, dass sich der Name Walküre aus den Wortteilen: valr («die auf dem Schlachtfeld liegenden Leichen») und Kjósa («wählen») zusammensetzt. Ein Erscheinen so einer Walküre, galt selbst bis in Mitteleuropa jahrhundertelang als todkündend. Diese Mythologie hat nun bei den Gemeinderatswahlen in sich selbst ihre Heimat gefunden und ist in den Ring der Nibelungen, in die Götterdämmerung zurückgekehrt. Aber es wären schlechte Walküren, die ihr Kampfschwert nach der Schlacht in den Abgrund werfen. Mahnend ruft die Götterdämmerung, man müsse dem dümmlichen Wahlvolk, männlich voran einhämmern, dass es ihnen nun dämmern möge und sie künftig demokratisch und recht gesinnt in Zweierreihen an die Urne, über der Odin wache, zu treten habe. Alternativ habe der Rechte, dann der Linke ein Weib zu wählen. Die Götterdämmerung hatte ja ihren Anfang schon bei den Sphinx-Figuren in Eschen genommen. Wurden diese, die Weiblichkeit in graziler Weise herzeigenden Gestalten, unter Umgehung der simpelsten demokratischen Regeln und unter Ausgrenzung und Verhöhnung künstlerischer Gestaltungsfreiheit, schnöde nach Nendeln gekarrt. Die dann aufklaffende Lücke haben sich die Wähler schlau zunutze gemacht, um vom Walkürensphinxauge unbeobachtet, ihre wahren Gelüste in die Urne zu werfen.


Jo. Schädler,
Eschnerstrasse 64, Bendern

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