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Leserbrief

Da freuen sich die Rentner aber

Sigi Scherrer,Landstrasse 79, Vaduz | 2. April 2015

KVG-Reform

«Weniger Giesskanne, mehr Eigenverantwortung», las ich heute in der Zeitung. Unser Regierungsminister Mauro Pedrazzini hat recht.
Zur «Giesskanne»: Dazu gehört auch, dass die Ärztetarife gesenkt werden. Dass Ärzte weniger chronisch Kranke «produzieren» durch Überdiagnose, Übertherapie, Übermedikation und unnötige Operationen. Das wäre nur möglich, wenn Patienten aufgeklärt werden und zwar so, dass sie auch verstehen, worum es geht. Das wiederum ist nur möglich, wenn Ärzte sich mehr Zeit nehmen würden, was sie nicht haben oder haben wollen. In maximal fünf bis zehn Minuten kann kein ehrliches und ausführliches Aufklärungsgespräch stattfinden. Wie sollen Patienten Eigenverantwortung übernehmen, wenn sie nicht aufgeklärt sind? Gerade die Senioren sind eine gute Einkommensquelle für die Ärzteschaft und der Pharmaindustrie. Sie werden untersucht, von einem Arzt zum anderen geschickt, bekommen immer mehr Medikamente für neue Krankheiten, welche durch Medikamentenneben- und Wechselwirkungen entstehen. Werden operiert, ob nötig oder nicht. Der Patient ist den Ärzten ausgeliefert. Ein gutes Beispiel. Mit dem Alter steigt der Blutdruck und das Cholesterin, was ein natürlicher Vorgang ist. Die Pharmaindustrie hat vor einigen Jahren die Blutdruck- und Cholesterinwerte gesenkt, damit mehr Medikamente verschrieben werden können. Meistens fängt es damit an, dass Patienten blutdrucksenkende Mittel und Mittel für Herzrhythmusstörungen bekommen, dazu Blutverdünner, Cholesterinsenker, Magenschoner und in vielen Fällen Antidepressiva. Über Neben- und Wechselwirkungen wissen Patienten nicht Bescheid. (Ausnahmen bestätigen die Regeln.) So entsteht eine chronische Krankheit. Chronisch Kranke bringen für die Ärzteschaft viel Geld und die Gesundheitskosten steigen. Wo können sich Patienten beraten lassen, über die Richtigkeit einer Diagnose, über Medikamentenmissbrauch? Wie kann die Gesundheitspolitik hier eingreifen?


Agnes Dentsch,
Poliweg 12, Ruggell

Am 1. April 2015 titelt das «Liechtensteiner Vaterland» zum Thema KVG-Revision auf Seite 3 «Prämien längerfristig bezahlbar halten» und fährt dann fort: «Gesellschaftsminister Mauro Pedrazzini präsentierte gestern Nachmittag die wesentlichen Inhalte des (…) Antrags zur KVG-Revision an den Landtag. Mit den Änderungen am Versicherungsmodell soll die Eigenverantwortung gestärkt werden.» Und, wurde hier offensichtlich vergessen, die Rentner sollen a bisserl mehr zu Kasse gebeten werden. Denn während bei minimaler Franchise die maximale jährliche Kostenbeteiligung «bei erwachsenen Versicherten unterhalb des Rentenalters» um 75 Prozent ansteigt, dürfen die AHV-Bezüger neu nun jährlich 137,5 Prozent mehr aus dem eigenen Sack berappen. Da freuen wir uns aber.


Sigi Scherrer,
Landstrasse 79, Vaduz

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