Leserbrief

Ein neues Volk für die Demokratie- bewegung

Hans Mechnig,Tröxlegass 46, Schaan | 1. April 2015

Demokratisches Debakel

Was man sich darunter vorzustellen hat, erklärt der Forumsbeitrag des Vorstands der Demokratiebewegung in Liechtenstein im «Vaterland» vom vergangenen Samstag, dem 28. März. Offensichtlich tief zerknirscht meldet das Gremium, mit Bezug auf die Ergebnisse der kürzlichen Gemeinderatswahlen, «ein kaum zu überbietendes Defizit liechtensteinischer Demokratie», um selbiges dann auch gleich auf den Punkt zu bringen: «Mehr als 50 Prozent der Wahlberechtigten werden lediglich durch 16 Prozent Frauen vertreten.» Analysieren tun die selbst ernannten Demokratieversteher das Desaster dann souverän von höherer Warte, aus ihrer intellektuellen, gehobenen Sicht der Dinge: «(...) die grösste Schlappe fügen die Wählerinnen und Wähler sich selber zu (…)», auf gut Deutsch heisst das: «Där Hänsel und s Gretel häns weder ned begreffa und sich – klassischer gots ned – is äga Knü gschossa.»
«(…) Es ist ein Armutszeugnis und trägt sicher nicht zur positiven Imagebildung bei (…)», heisst es weiter. Damit macht man der tumben Öffentlichkeit die globale Dimension ihres Versagens deutlich. Himmela…undzwirn, jetzt ist es also wieder nichts mit unserer Reputation, für die wir uns nun schon seit Jahren abmühen, und das zudem auf eine Art und Weise, die mittlerweile wohl sogar Sisyphos zu Tränen rühren würde.
Aber ein Vorstand wäre nicht ein Vorstand, wenn er nicht auch einen Lösungsvorschlag parat hätte. Ganz im Sinne des zeitgeistkonformen Gutmenschentums kommt der so daher: «Es ist nun eine der dringendsten Aufgaben der Politik, sich mit diesem Rückschlag ernsthaft und nachhaltig auseinanderzusetzen und Massnahmen zu treffen, die uns bei den nächsten Wahlen vor der Wiederholung eines solchen Desasters bewahren.»
Das liebe ich, das ist doch die Sprache freier Menschen! Der Auftrag ist klar! Der Staat soll’s richten! S-Bahn war gestern! Hinter die bisherigen, periodisch abgehaltenen Wählerbestechungsveranstaltungen ist endlich etwas mehr Druck zu bringen! Dann klappt das auch mit der Nachbarin! Dabei fällt mir ein, einen – wenn im Moment zugegebenermassen noch unausgegorenen – Lösungsvorschlag hätte ich auch; in Anlehnung an Bertold Brecht: Eventuell sollte die Demokratiebewegung sich ein neues Volk wählen?


Hans Mechnig,
Tröxlegass 46, Schaan

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