Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Leserbrief

Mit Vollgas in die falsche Richtung?

Verein für gesundheitsverträglichen Mobifunk (kurz: VGM; www.telefonie.li) | 27. März 2015

Strahlenschutz-Grenzwerte

Geschwindigkeit ist alles – wenn man den Netzanbietern Glauben schenken darf, und gemeint ist damit klarerweise die Verbindungsgeschwindigkeit. Nicht zuletzt durch mobile Anwendungen wird der Datenverkehr im Internet zunehmend intensiver. Mit diesem Faktum werden dann frech die geltenden Strahlenschutz-Grenzwerte zu fortschrittsfeindlichen Geschwindigkeitsbegrenzern auf der heiligen Datenautobahn herabgewürdigt – und der Hinweis auf mögliche Gefahren für Mensch und Natur überhaupt als unwissenschaftliche Panikmache dargestellt.
Was passiert aber, wenn wissenschaftliche Studien die Krebsgefahr durch Mobilfunk auch unterhalb der geltenden Grenzwerte nahelegen?
Erinnern wir uns an das Fallbeispiel der «Reflex»-Studie(n), heute wieder aktuell durch sein gerichtliches Nachspiel. Im Jahre 2005 publizierte die klinische Abteilung für Arbeitsmedizin an der Medizinischen Universität Wien eine Studie mit dem Titel «Non-thermal DNA breakage by mobilephone radiation (1800 MHz = GSM)», eine Studie zu UMTS (1950 MHz) folgte: Ratten wurden einem Karzinogen sowie Mobilfunkstrahlung unterhalb der gesetzlichen Grenzwerte ausgesetzt. Das führte zu massiver Tumorbildung im Vergleich zu beiden Kontrollgruppen mit und ohne Karzinogen.
Der spätere «Grossinquisitor» in diesem Wissenschaftsthriller, Herr Prof. Dr. Alexander Lerchl von der privaten Jacobs University in Bremen (bis Ende 2012 Vorsitzender der deutschen Strahlenschutzkommission für nicht-ionisierende Strahlung!), hatte die Brisanz der Studie sogar selbst in seinem Buch (Fälscher im Labor und ihre Helfer, Seite 43) wie folgt hervorgehoben: «Die Ergebnisse von Diem et al. waren also in der Tat Besorgnis-erregend. Sollten sie sich bestätigen, wäre dies nicht bloss ein Alarmsignal, sondern der Anfang vom Ende des Mobilfunks, da DNA-Schäden die erste Stufe zur Krebsentstehung sind.»
Eilig wurde von der Mobilfunk-Lobby die Strategie des Rufmordes zur Ausmerzung der ungewollten Erkenntnis umgesetzt und der Vorwurf «Datenfälschung» erhoben. Bereits 2007 wurde der Rektor der Universität Wien von Prof. Lerchl mit dieser Unterstellung konfrontiert, 2008 dann der Rat für Wissenschaftsethik mit der Causa befasst (dessen Vorsitzender sich als ein Angestellter der Telekommunikationsindustrie herausstellte und wegen Befangenheit abgelöst werden musste) und im September 2009 wurde gar ein Workshop an der Urania Wien mit dem Titel «Seriöse Forschung oder Junk-Science? Qualitätsstandards wissenschaftlichen Arbeitens in der Mobilfunkforschung» organisiert (samt Medienkampagne bis ins Jahr 2011)!
Es blieb trotz allem beim Rufmordversuch. Denn mittlerweile ist die Studie rehabilitiert und gilt als korrekt erhoben, während Prof. Dr. Lerchl zu einer Geldbusse in vierstelliger Höhe verurteilt wurde (13. März 2015 vom Landgericht Hamburg, nicht rechtskräftig). Darüber hinaus reproduzierte er die Ergebnisse in einer eigenen Studie und publiziert sie sogar selbst – natürlich nicht, ohne die daraus zwingend erwachsenden Konsequenzen weiterhin infrage zu stellen und auf künftige Forschungen zu verweisen.
Dieses Beispiel belegt, dass die Mobilfunkindustrie ihre Lobbyisten nicht nur in Politik und Medien, sondern auch im Bereich der Wissenschaft auf ihrer Lohnliste weiss. Ausnahms- und glücklicherweise ging diese Nebelgranate nach hinten los.

Verein für gesundheitsverträglichen Mobifunk (kurz: VGM; www.telefonie.li)

Teile diesen Leserbrief mit deinen Freunden

Leserbrief schreiben

Wie denken Sie darüber?
Titel
Text 0 / 2500 Zeichen
Weiter
Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung