Leserbrief

Miraschlöcher?

Jo. Schädler,Eschnerstrasse 64, Bendern | 26. März 2015

S-Bahn

Die Österreicher kaufen in Frankreich drei Stück Mirage – «Mirasch» gesprochen – Kampfjets, für die Landesverteidigung. Die Flieger werden geliefert und man stellt bald fest, dass man kein Geld mehr für Flugbenzin hat. Also muss man sparen. Damit sie in der langen Zeit nicht verrotten, schlägt einer vor, man solle sie unterstellen. Und weil es keine geeignete Halle gibt, schiebt man sie in einen alten Bergwerkstollen. Sagt der nächste, man müsse das Loch aber zumauern, damit die teuren Bomber nicht gestohlen werden. So wird das dann auch gemacht. Sagt einer, aber wenn wir das Loch zumauern, dann wissen wir ja nachher nicht mehr, was da drinnen ist. Dann müsse man halt eben ein paar Löcher in der Mauer machen, damit man hineinleuchten könnte. Meint der nächste, aber wir wissen dann ja auch nicht, wozu diese Löcher sind. Schlägt der Schlauste vor, man soll dann halt die Löcher anschreiben. So wird das auch gemacht und man schreibt dahin: «Miraschlöcher.»
Zuhörer des letzten Landtages hatten irgendwie das Gefühl, entweder in einem finsteren Bergwerkstollen, oder in der zweiten Klasse der Volksschule zu sitzen. SRW (Schwarz-Rot-Weiss) las brav sein S-Bahn-Verslein vom Blatt herunter, gut erlernt klang es, was für ein Segen die S-Bahn wäre. Endlich wären wir dann mit der grossen Welt verbunden. Nendeln würde durch eine Unterführung praktisch verkehrsfrei. Die Bahn wäre ein Hub für den Flughafen Kloten. Sie wäre ein Generationenprojekt. Sie wäre überhaupt einfach ein supergeiles Wunder und würde alle unsere Verkehrsprobleme für viele Generationen lösen. Wenn die Erfinder des Papiers geahnt hätten, dass man darauf solchen Stuss schreiben kann, hätten sie diese Erfindungen sofort bleiben lassen.
Interessant wäre gewesen zu erfahren, wie man das Problem lösen will, dass durch den Halbstundentakt, plus Güterzüge, plus Fernzüge, die fünf Schranken in Schaan alle zehn Minuten schliessen werden. Noch interessanter wäre gewesen, wie man dem Druck auf die Rheinbrücke in Bendern, durch die Unterführung Nendeln und dem Anreiz, der dann noch viel interessanteren Durchfahrtsstrasse begegnen will.
Irgendwie schade, dass so viel politischer Mut, Geist und Geld in diese für lediglich ein paar Zupendler nutzbringenden Schienen fliessen. Sollte das Projekt wider Erwarten durchgehen, werden sich die ÖBB ins Fäustchen lachen. Hat man Dumme gefunden, die ihnen das Schienennetz finanzieren. Wir aber sollten uns bald Gedanken machen, wie wir unsere Löcher anschreiben.

Jo. Schädler,
Eschnerstrasse 64, Bendern

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