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Leserbrief

Welchen Stellenwert hat die Landschaft?

Liechtensteinische Gesellschaft für Umweltschutz (kurz: LGU) | 18. März 2015

Autobahnzubringer

Zwischen dem Autobahnzubringer in Vaduz und dem Industriegebiet Triesen soll eine zweispurige Stras-se entlang dem Rheindammfuss gebaut werden. Dies ist das Ergebnis einer strategischen Umweltprüfung, die das Amt für Bau und Infrastruktur 2012/13 durchgeführt hat.
Ziele des Strassenneubaus sind laut Umweltbericht eine Entlastung der Zollstrasse, Austrasse und Land-strasse, verbesserte Erreichbarkeit von Wohngebieten und Arbeitsplätzen, verbesserte Fahrplanstabilität des öffentlichen Verkehrs, eine Erhöhung der Verkehrssicherheit für alle Verkehrsteilnehmer und eine Attraktivitätssteigerung der Radwegroute entlang des Rheindamms Vaduz-Triesen.
Im Bericht über die strategische Umweltprüfung wird deutlich, dass die geplante Strassenverbindung mehr Verkehr erzeugen wird. Aus dem Prüfbericht des Bundes zum Agglomerationsprogramm Liechtenstein-Werdenberg vom Februar 2014 geht allerdings hervor, dass ein Ausbau des Rheinübergangs Vaduz-Sevelen keine kurz- und mittelfristige Priorität mehr hat, also bestenfalls langfristig möglich sein wird. Der durch den Strassenneubau erzeugte Mehrverkehr wird also die Staus auf der Rheinbrücke noch lange Zeit verschärfen.
Die Landschaft im Talraum zwischen Vaduz und Triesen ist ein wichtiges, viel genutztes und wertvolles Naherholungsgebiet für die Bevölkerung. Sie zieht Velofahrer, Spaziergänger und Familien an und dort angesiedelte Landwirtschaftsbetriebe tragen zum Freizeitangebot bei. Zudem wird das Gebiet derzeit durch die Revitalisierung eines Binnenkanalabschnittes südlich der Zollstrasse sowohl landschaftlich als auch ökologisch aufgewertet. Parallel dazu wird gegenwärtig ein Radweg entlang dem Kanal realisiert.
Noch dient die offene Landschaft als Puffer zwischen den Siedlungen und trennt sie klar voneinander. Auf Erholungssuchende wirkt sich das wohltuend aus. Es ist ein Stück «heile Welt» im sich stetig ausbreitenden Siedlungsraum. Über den Neugutweg ist bisher ein direkter Zugang zum Rhein vorhanden.
Eine zweispurige Strasse entlang dem Rheindammfuss wird den Charakter dieser Landschaft einschneidend verändern. Der landseitige Rheindamm wird von der Landschaft abgeschnitten und der Zugang zum Rhein versperrt sein.
Für die LGU ist es unverständlich, wie eine Entscheidung über einen Strassenneubau getroffen werden kann, der so einschneidende Konsequenzen hat, ohne dass genau untersucht wurde, ob es dafür vernünftige Alternativen gibt. Dies zu untersuchen wäre das Ziel einer strategischen Umweltprüfung, doch genau das wurde ausgeklammert. Besitzen wir Landschaft im Überfluss? Können wir es uns erlauben so leichtfertig damit umzugehen? Der Wert von Landschaft darf nicht nur an schützenswerten Pflanzen und Tieren festgemacht werden. Auch ein offenes und von Landwirtschaft geprägtes Gebiet ist wertvoll. Sobald wir merken, dass es uns fehlt, wird es zu spät sein.

Liechtensteinische Gesellschaft für Umweltschutz (kurz: LGU)

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