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Leserbrief

«Gnuag Platz för alli»?

Einen weiteren Forumsbeitrag finden Sie auf der Seite 6. | 10. März 2015

«Gnuag Platz för alli»

Mein unkonventieneller, aber wesentlich kostengünstigere und deutlich effizientere Vorschlag, um das Zentrum von Vaduz zu beleben – und das ohne klotzige Prachtbauten mit Erstellungs- und Folgekosten in Millionenhöhe: Man belasse die bestehenden Gebäude und die Konzertmuschel einfach, wo sie sind, und werte stattdessen das recht weitläufige Areal rund ums Rathaus auf (angefangen beim hässlichen «Roten Platz», über das tieferliegende Areal mit alten Baumbestand vom ATU-Bürohaus nördlich bis zum Kunstmuseum südlich hin). Zu diesem Zweck wären die oberirdischen Parkplätze aufzuheben, der Asphaltbelag zu entfernen, das WC-Häuschen zu verlegen und auf diesem Gebiet ein hübscher «Stadtpark» anzulegen, mit blumenbesetzten Rasenflächen, schattenspendenden Bäumen und Sträuchern, Spazierwegen und Sitzbänken, Springbrunnen, Eisdiele, Gartencafé, Kinderspielgeräten etc. Ich denke, ein solcher zentraler Park könnte sich zu einem echten Treffpunkt entwickeln, wo sich Menschen gerne treffen, flanieren, chillen, ausruhen, einfach geniessen. Im Zentrum von Vaduz gibt es ohnehin zu wenig Grünflächen, somit wäre dieses Projekt ein willkommener Ausgleich zur verbetonierten und gepflästerten Städtle- und Aeulestrasse. Der geplante Riesenbau hingegen mit seiner zugigen Säulenhalle ist wenig attraktiv und zieht wohl kaum zusätzliche Besucher an, vor allem auch dann nicht, wenn sich – wie visualisiert – Geschäfte im ersten oder zweiten Obergeschoss befinden.

Die Fläche dieses Stadtparks wäre im Vergleich zum Schaaner Lindenplatz (der in Leserbriefen des Öfteren als Vergleich herangezogen wurde) wesentlich grösser und böte entsprechend vielmehr Gestaltungsmöglichkeiten. Dass sich zentrale Grünflächen als beliebte Treffpunkte auszeichnen, habe ich bei meinen zahlreichen Besuchen verschiedener touristischen Zentren rund um den Bodensee selbst erlebt.
Kinos gibt es in der näheren Region einige; ob ein weiteres in Vaduz zu einer grösseren Belebung des Zentrum führt, wage ich zu bezweifeln. Ein Kellertheater ist im Untergeschoss des Vaduzersaales bereits vorhanden, wird aber seit Jahren kaum benutzt. Anstatt ein paar hundert Meter entfernt ein neues Kleintheater zu bauen, könnte dem Schlösslekeller dort das permanente Gastrecht gewährt werden.
Man sollte bei einer solch signifikanten Entscheidung, welches das Vaduzer Zentrum markant und unwiderbringlich verändert und es einer offenen Begegnungsfläche beraubt, den gesunden Menschenverstand walten lassen.
Deshalb mein alternativer, aber einfacher Vorschlag – zu einem Bruchteil der geplanten Investitionen. Neue gesichtslose Geschäftshäuser – mit oder ohne Säulenhalle – sind keine Lösung, um eine Belebung zu erreichen!


Mario Amann,
Kirchstrasse 63, Vaduz

Als «verdichtet, übernutzt, kommerzialisiert, überwacht und vereinnahmt» beschrieb Christoph Doswald in seinem Vortrag an der Kunstschule in Nendeln den öffentlichen Raum in der Postmoderne.
Mit grossen Schritten und einem Haufen Geld beschleunigen wir nun in Vaduz diesen Prozess und betonieren den letzten offenen Platz zwischen Landesbank und Herrengasse direkt neben dem Rathaus zu – ein für alle Mal. Als ob wir nicht schon genug Klötze auf dieser Meile hätten!
Kunst im öffentlichen Raum – ja, das haben wir in Vaduz. Da liegt und fliegt ein Mann auf einer drei Meter hohen Säule, eingeklemmt zwischen dem alten Postgebäude und dem Vaduzer Baubüro. Wohin fliegt er denn? Direkt in das grauslige Bar-Provisorium der Burg-Pizzeria, das seit Jahren auf öffentlichem Grund das Herz des Vaduzer Zentrums beengt und verunstaltet.
Und in unmittelbarer Nachbarschaft davon bäumen sich die Riesenrösser vor dem Vaduzer Rathaus auf, und fallen nieder. Seit sie da stehen, frage ich mich, wofür sie eigentlich stehen und was sie versinnbildlichen sollen, so direkt vor dem Vaduzer Rathaus. Wenn schon, denn schon: solche Rösser brauchen Platz!
Im Vaduzer Ebenholz an der Feldstrasse steht eine Architekturikone unter Denkmalschutz, die der Erwerber und Eigentümer bewusst dem Verfall preisgibt. Vaduz tut nichts – das Land sei zuständig. Vaduz kann auch schwerlich etwas tun, da es doch selbst im Sinn hat, sein eigenes Sommerlad-Gebäude, das seit 80 Jahren das Zentrum prägt und Symbol der anbrechenden Moderne in Vaduz war, plattzuwalzen, mit dem Ziel, einen Kubus hinzubauen, der an architektonischer Fantasielosigkeit seinesgleichen sucht. Ich habe als Bub früher selber solche Häuser gebaut – mit Lego-Klötzen.
Ebenfalls im Ebenholz haben wir eine Universität internationaler Ausstrahlung mit Schwerpunkt Architektur, Orts- und Raumplanung. Wo ist sie geblieben, da es um akute Probleme der Gestaltung des öffentlichen Raums direkt vor der eigenen Haustüre in Vaduz geht? Ich wünschte, sie würde sich mehr einbringen.
Die Vaduzer Stimmbürger haben es jetzt noch in der Hand, solchem Klotzen, nur weil wir Klotz haben, Einhalt zu gebieten. Sie können uns jetzt Raum und Zeit schaffen für eine seriöse und tiefer gehende Auseinandersetzung darüber, wie, zu wessen Nutzen und mit welchen Mitteln der begrenzte öffentliche Raum von Vaduz als Dorf, Stadt und Hauptort Liechtensteins gestaltet werden soll. Und Vaduz könnte es sich finanziell sogar leisten, auch einmal ein paar Quadratmeter leer zu lassen und Raum zu schaffen für die Menschen, die da leben und Besucher, die sich da bewegen und werthaltige Eindrücke mit nach Hause nehmen wollen.
Wenn wir in Vaduz schon niemals «Gnuag Platz för alli» haben werden, dann doch wenigstens für möglichst viele!

Guido Meier,
Im Quäderle 16, Vaduz

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