Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Leserbrief

Aufklärung Ja!

Sidi Mohamed Elghazzali,Wolfgangstrasse 28b, Feldkirch | 3. März 2015

Islam-Debatte

Als ich mich zum ersten Mal in die Islam-Debatte einschaltete (nach dem «Vaterland»-Interview vom 17. Januar), ging ich davon aus, dass die Diskussion sich auf eine faire, solide und vernünftige «Islamkritik» hin entwickeln könnte. Im Laufe der Zeit hat sich aber herauskristallisiert, dass hier nur einer wutschnaubenden Tirade mit Beschimpfungen und aus dem Kontext gerissenen Zitaten Raum gegeben werden soll, die nur darauf zielt, den Islam zu diffamieren beziehungsweise Ängste zu schüren und Feindbilder zu propagieren.
Dies ist kein Phänomen unserer Zeit, sondern hat eine lange Tradition, die vom Mittelalter über den Oxford-Professor Edward Gibbon im 18. Jahrhundert («Islam mit Feuer und Schwert») bis heute reicht.
Wenn ein hoher Anteil der westlichen Bevölkerung Angst hat vor dem Islam, dann basiert das nicht auf Faktenwissen, sondern auch auf einer europäischen Berichterstattung, die die IS-Mörder und -Verbrecher mit dem Islam eins setzt, muslimische Opfer nicht weiter für wichtig hält und das breite Feld der westlichen Untaten möglichst ausblendet. Muslime stellen den weit überwiegenden Anteil der IS-Opfer!
Unabhängig davon gibt es eine auf Vernunft basierende Traditionslinie der Islamkritik, die nicht auf Pauschalverurteilung, sondern auf Entwicklung abzielt, deren Befürworter ich bin. Diese wurde innerhalb der islamischen Welt durch die Neuentwicklung im Nahen Osten mit der Bildung des sogenannten IS stark befeuert. Was das politische Umfeld betrifft, in der der IS erst möglich wurde, kann ich nur Frau Professor Rieger und dem «Spiegel»-Autor Recht geben.
Ich kenne den Koran in- und auswendig seit dem achten Lebensjahr und verabscheue Gewalt, egal aus welchem Grund. Aus mir ist kein Fundamentalist oder Hasser von Andersgläubigen geworden, sondern jemand, der sich stets für Vernunft und Gerechtigkeit einsetzt. Ich konnte im jüdischen Viertel Marrakeschs, wo ich aufgewachsen bin, mit jüdischen Kindern spielen, ohne im Widerspruch zu stehen mit meiner islamischen Erziehung oder mit dem, was ich im Koran lernte. Vor bald 30 Jahren habe ich mich kritisch mit der radikalen Gruppierung in meiner Heimat, die den Islam instrumentalisiert, auseinandergesetzt und muss paradoxerweise feststellen, dass die Argumente der damaligen Extremisten mir heute auf der extrem islamfeindlichen Seite wieder begegnen.
Ich halte die Liechtensteiner durchaus nicht für dumm. Ich gehe vielmehr davon aus, das sie zwischen schäumendem Hass und sachlichen Argumenten unterscheiden können.

Sidi Mohamed Elghazzali,
Wolfgangstrasse 28b, Feldkirch

Teile diesen Leserbrief mit deinen Freunden

Leserbrief schreiben

Wie denken Sie darüber?
Titel
Text 0 / 2500 Zeichen
Weiter
Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung