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Leserbrief

Sierra Leone und die Zugvögel

Jo. Schädler,Eschnerstrasse 64, Bendern | 24. Februar 2015

Bildungswesen

Es bleibt zu hoffen, dass es sich nicht um einen stimmenbegünstigenden schwarzen Lockvogel anlässlich der Vorwahl-Schlammschlacht handelt, der nach den Wahlen einen vierjährigen Winterschlaf startet und gelegentlich von seinen Ideen träumt. Wir beziehen uns auf den Beitrag «FBP Triesen on Tour – In Triesen beste Voraussetzungen für exzellente Bildung schaffen» vom 12. Februar 2015 im «Volksblatt». Ja, Headline und Lead dieses Beitrages hören sich wunderbar an und tangieren ein sehr wichtiges Thema – nämlich die Bildung. Wir schätzen es, dass ein Wohlwollen existiert, viel Geld in Form von Schulbauten zu investieren.
Inmitten dieses Beitrages sind wir jedoch auf ein viel wichtigeres Thema gestossen – nämlich die bildungspolitischen Fragen. Wir appellieren, diese primär zu behandeln! Was nützen luxuriöse Bauten in Triesen, wenn deren «Kommandozentrale» in Vaduz – also nicht am Ort des Geschehens – platziert ist und auf Hilferufe aus Triesen nur zögerlich reagiert? Die dem Bildungswesen zugrundeliegenden Regularien sollten es ermöglichen, flexibel, zeitnah und individuell auf Probleme agieren zu können. Die Auswirkungen von Lücken in diesem Bereich kommen leider erst stark zeitverzögert ans Tageslicht; die dafür Verantwortlichen müssen sich dann nicht mehr ihrer Verantwortung stellen. Diverse gesellschaftliche Veränderungen erfordern einen solchen Spielraum.
Konkret sprechen wir das Thema der Verhaltensauffälligkeit an; die Gründe hierfür mögen unterschiedlich sein – aber generell kann gesagt werden, dass der Schulalltag dadurch massiv erschwert wird. Doch konkret wird auf diese Problematik nicht eingegangen; das Kontingent an besonderen schulischen Massnahmen (kurz: BSM) wird als Allheilmittel herangezogen. Auch darf man nicht vergessen, dass Lehrer Pädagogen und keine Therapeuten sind!
Starre Vorgaben, wie beispielsweise die Richtzahlen in Bezug auf die Schüleranzahl pro Klasse, gelten als verbindlich. Diese verhindern ein individuelles Agieren. So kann beispielsweise eine 30er-Klasse, in der «pflegeleichte» Kinder sitzen, einfacher zu führen sein, als eine 15er-Klasse mit drei notorischen Störenfrieden. Und es gäbe noch weitere Punkte hierzu.
Wir wagen zu behaupten, dass es einfacher ist, ein Gebäude zu bauen, als diejenigen Probleme zu lösen, welche durch gesellschaftliche Tendenzen lanciert werden. Aber wir wagen auch zu behaupten, dass schlussendlich nur die Lösung des zweiten Ansatzes nachhaltig und zielführend sein wird.
Die Hoffnung stirbt zuletzt – wir freuen uns auf beste Voraussetzungen für exzellente Bildung in Triesen!

Barbara Gurschler-Zai,
Feldstrasse 58, Triesen
Carmen Sprenger-Lampert,
Landstrasse 333, Triesen

Die Eidgenossen über dem Rhein drüben wühlen wieder einmal an ihrem eigenen Grab. Nach der Preisgabe des Bankgeheimnisses an ein paar Oberlappi in Bruxelles sinnieren die Tellensöhne nun auch noch vehement über die Abschaffung der «Schnürlischrift» nach. Um mit der Zeit zu gehen, wolle man mit der Zeit gehen. Doch wenn die Schweiz einen Furz lässt, machen wir sofort einen Scheiss. Und wie nicht anders zu erwarten, reagiert unser Schulamt galant mit verdeckter Amtsbegeisterung und lässt verlauten, man beobachte diese Entwicklung höchst interessiert und werde dann, wenn die Zeit reif geworden, entsprechend reagieren. Wurde unser Schulamt nun aus seiner Lethargie entrückt, oder war es einfach verzückt? Ein grober Schelm, wer den Ausdruck Lethargie ernst nähme. Wäre ihm doch zu antworten, dass er wissen müsse, dass das Schulamt sehr wohl eine umtriebige Amtsstube betreibe. Sei es doch bis hin an die steilen Klippen von Depression und Burn-out damit beschäftigt, die Messlatte der Pisa-Studien zu verstellen. Einmal höher, zweimal tie-fer. Etwas hinauf, wenn es um internationale Vergleiche geht, kräftig hinunter, wenn man dem Dilemma ins Auge schaut.
So gilt es doch dem Staat zu dienen und sich mit den schulischen Leistungen seiner Kinder harmonisch einzufügen, in all die anderen Statistiken, die unser Ansehen unansehnlich machen. Rüpelhafte Medien berichten oft unflätig, wir hätten uns bei der Pressefreiheit hinter Kalmückien, bei der Korruption vor Sizilien, bei der Schönheit der Bewohner vor Österreich, beim Wetter neben Sierra Leone und bei den Flügen der Staatsdiener vor den Zugvögeln eingeordnet. Die Jugend und ihre Bildung ist unsere Zukunft. Und jener muss man auch die Chance geben, es nicht zu schaffen. Erfolgreicher Aufbau und Gründerjahre lassen sich nicht über beliebig viele Generationen streuen. Und sollte es unsere Jugend nicht packen, dann bleibe die Ausrede, die Migration war nicht pisaresistent und die «Schnürlischrift» hätte den Erfolg grad auch noch vernebelt.
Liechtenstein hat es weit gebracht. Mit Hosenspanner, Nachsitzen, die Klasse zwei-, dreimal wiederholen und mit akkurater Schreibschrift, welche die tüchtige Nachkriegsgeneration auch mit den, von den Tatzen geschwollenen Fingern noch elegant zu meistern wusste. Das waren eben noch ganze Kerle. Zeugungsfähig bis zum Abwinken, Haare auf der Brust, kein Handy und dem Absingen der Nationalhymne und der ersten Strophe der Schillerglocke auch ohne Pisa immerzu mächtig.

Jo. Schädler,
Eschnerstrasse 64, Bendern

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