Leserbrief

Belastet Sie die Flüchtlingsnot?

Sr. Alma Pia, ASC,Kloster St. Elisabeth, Schaan | 21. Februar 2015

Glaube

Da würden sich wohl manche wehren, wenn es stimmen würde, wie man wieder hört und liest, dass der Winter mit dem Funken vertrieben wird! Man will doch weiterhin noch Wintersport treiben, sich an der winterlichen Landschaft freuen usw. Wenn es tatsächlich um das Vertreiben des Winters ginge, müsste der Funken doch um die Zeit des Frühlingsbeginns am 21. März verbrannt werden. Es geschieht aber immer am ersten Fastensonntag, gleichgültig ob dieser auf Anfang Februar oder erst gegen Mitte März zu liegen kommt. Wegen dieses angestammten, schon im frühen Mittelalter erwähnten Termins muss der Brauch des Funkensonntags anders gedeutet werden.
Wissenschaftler der Volkskunde haben eine ganz interessante Feststellung gemacht. Der Rückschluss auf einen vorchristlichen Frühjahrskult sei wissenschaftlich nicht haltbar. Die Funkenfeuer stünden in engem Zusammenhang mit der vorhergehenden Fasnacht und der beginnenden Fastenzeit. Sie hätten eigentlich eine profane Bedeutung, die Tieferes aussagt, nämlich die Verbrennung des Unrates der Fasnacht sowie von altem Holz in Verbindung mit dem Aufräumen; Vergleichbares geschieht heutzutage mit dem Einsammeln der Christbäume für die Funkenfeuer. Mit anderen Worten: Wir feiern den Brauch des Funkens nicht wie Heiden, sondern wollen zum Beginn der Fastenzeit alles Unnötige beiseite schaffen, um für das Wesentliche frei zu werden!
Das steckt auch in der ursprünglichen Bedeutung des Wortes «fasten». Es hat in seinem Ursprung mit dem Eigenschaftswort «fest» zu tun. «Fasten» bedeutet dann «festhalten, beobachten» und steckt heute noch im gleichlautenden englischen Wort «fasten»; wer schon im Flugzeug eine Reise gemacht hat, ist der Aufforderung begegnet: «Fasten your seat belt!» – Befestigen Sie Ihren Sicherheitsgurt!
So lasst uns in dieser Grundhaltung die Fastenzeit begehen und in den 40 Tagen dieser Zeit festhalten und beobachten, worauf es in unserem Leben als Glaubende und damit in unserer Beziehung zu Gott und zu den Mitmenschen ankommt! Lasst uns aber ebenso im Sinn von Verzicht fasten, wie wir das Wort heutzutage verstehen! Und machen wir uns bewusst, wie vielen Notleidenden in der weiten Welt wir helfen können durch das, was durch das Fastenopfer «Wir teilen» ihrer Notlage zugute kommt!
Wenn uns das alles gelingt, werden wir zu Menschen, von denen Paulus und Timotheus den korinthischen Christen im zweiten Brief (3,2f) geschrieben haben: «Ihr seid unser Empfehlungschreiben.»

Franz Näscher, Pfr. i. R.,
Kirchagässle 14, Bendern

Als vor Lampedusa Hunderte von Afrikanern ertranken, war nicht nur der Papst davon erschüttert. Aber neue Nachrichten lassen das Furchtbare bald vergessen, auch wenn es sich immer wieder ereignet.
Flüchtlinge, ja Völkerwanderungen hat es in der Geschichte immer gegeben. Die Bibel versucht im AT dieses Geschehen im Glauben zu deuten: Abraham zieht ins Gelobte Land, Jakob wegen Hungersnot nach Ägypten; Moses zurück ins Verheissene Land …
Europas Bevölkerung hat laut Geschichtsforschung seine Wurzeln in Afrika und Asien. Arme Abenteurer wagten sich auf den Weg ins Unbekannte, entdeckten Gebiete mit besseren Lebensbedingungen, kehrten in die Heimat zurück, «schwärmten» vom Neuland, bis sich Gruppen auf den Weg machten und bald friedlich, bald mit Gewalt neuen ­Lebensraum besiedelten. Auch manche Schweizer und Liechtensteiner suchten im Ausland Glück!
Abgesehen vom verbrecherischen Treiben der Schlepper sollten wir «Reichen» uns ehrlich überlegen, ob heute nicht wir die Verursacher der Massenwanderung sind. Wir stehlen Afrika kostbare um Hungerlohn geförderte Bodenschätze und vergiften ihren Boden, weil dort unsere Umweltgesetze nicht gelten. Afrikanische Herrscher – zum Glück nicht alle! – leben in Saus und Braus, führen blutige Kriege, während ihre «Untertanen» verhungern …
NGOs und freiwillige Entwicklungshelfer lindern ein wenig die Not und wecken das Selbstbewusstsein der Unterdrückten, lehren sie, ihre Rechte einzufordern, doch meist fehlen die notwendigen Strukturen und vor allem die Ausbildung der Jugend, die von den Reichen nicht immer begrüsst wird … Das Herz muss sich ändern – dazu ruft uns die Fastenzeit auf. Danke allen, die dem Herzen gehorchen – und handeln wie die Caritas!

Sr. Alma Pia, ASC,
Kloster St. Elisabeth, Schaan

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