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Leserbrief

Pille gegen das «Scheisserle»?

Jo Schädler,Eschnerstrasse 64, Bendern | 9. Februar 2015

Wahlversprechen

Nüchterne Aufgabe der Regierung ist es, Wahlversprechen einzuhalten. Das ist ein Akt von vier Jahren. Nach diesen gilt es, neue Versprechen zu versprechen. Im Moment stimmt die Haslerkasse und er kann Zahlen vorweisen. Wenn er Schwein hat, glaubt man ihm die und die nächsten Versprechen auch und wir dürfen weitere vier Jahre auf ihn stolz sein. Und wenn es sehr gut läuft, dann grad nochmal vier. «Luag mer amol», wie man im Vaduzer Regierungsviertel und auch am Stammtisch sagt. Jene, die eine Jagd in Österreich gepachtet haben, sagen etwas gscheiter: «Schau mer moi.»
Für Unternehmensgründer, nicht nur für ganze Staaten ist es heute kaum mehr möglich, Marktlücken zu finden, die sich alleine mit Regulierwut zu Geld und Wohlstand machen lassen. An Produktion in Europa und ohne viel Geld ist kaum mehr zu denken. Denn neben China warten noch viele ostasiatische Länder darauf, ihren fleissigen und sehr intelligenten Bewohnern zum Wohlstand «a la Liechtenstein» zu verhelfen.
Auch die Schweiz, früher Gradmesser der Präzision in Maschinen, Uhren, Feinwerktechnik und Pharmaka der ganzen Welt, ist zu einem Massenproduzenten geworden, dem ausser Wachstum mittels Produktionszahlen auch nichts mehr einfällt. Heisst, er hat den Anschluss verpasst und kann es sich nicht mehr leisten, vom Teufelskreis Wachstum abzuweichen.
Die Buchhaltungszahlen müssen stimmen, dann ist der Kassenwart zufrieden, die Bank und das ganze Land sind zufrieden. Die Pensionskasse der Staatsdiener ist gestopft, Ospelt baut eine neue Halle, Malbun parkt bald in Hall, Hilti hat nun einen Kinderzoo aus Holz, das Bauamt hat neue Besen und Salzstreuwagen und wir können alle glücklich weiterträumen.
Und sollte der Kassenwart schlecht schlafen, dann schluckt er eben eine Schlaftablette, wo im Beipackzettel unter Nebenwirkungen steht: Kann zur Anhebung der Mehrwertsteuer führen, kann die direkten Steuern erhöhen, kann zu Sonderabgaben führen, kann zu Abführen führen, kann die Auszehrung begünstigen, kann die Unbeliebtheit fördern, begünstigt die Gesichtsröte usw. Und wenn er mit dieser Pille nicht schläft, dann schluckt er eben noch eine.
Also halten wir maulhaltend Nachsicht, wenn die Regierung wieder einmal die Amtsleiter von Marketing-, Industrie- bis Handelskämmerlein nötigt und auch die herzige Universität mit Mäusespeck behängt, um uns mit Zukunftsperspektiven anzugäfern. Schliesslich wurde die Regierung nicht für unsere Zukunft, sondern zum Regieren für vier Jahre gewählt.


Jo Schädler,
Eschnerstrasse 64, Bendern

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