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Leserbrief

Rekordverdächtig

Hans Mechnig,Tröxlegass 46, Schaan | 3. Februar 2015

Kapitalismus

Sehr geehrte Schwester Alma Pia,

sofern er sich nach wie vor der Wahrheit verpflichtet fühlt, dürfte ihr oberster, himmlischer Vorgesetzter beim Lesen Ihrer samstäglichen Ausführungen zum Kapitalismus bittere Tränen vergossen haben. Einziger Trost war ihm wahrscheinlich die Tatsache, dass sich diese desolate Leistung seines Bodenpersonals weniger durch böse Absichten, als vielmehr durch schlichte Ignoranz erklärt. Diese jedoch in absolut rekordverdächtigem Ausmass. Als Kapitalismus zu verstehen ist eine Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung, die auf Privateigentum an den Produktionsmitteln und einer Steuerung von Produktion und Konsum über den Markt beruht. Kurz: eine Marktwirtschaft. Wer unsere halb- bis dreiviertelsozialistischen Volkswirtschaften als Kapitalismus bezeichnet, weiss entweder nicht, wovon er spricht, oder verfolgt ganz konkrete, ideologische Ziele (was ich bei Ihnen trotz allem dann doch nicht annehme).
Tatsache ist, dass der Markt (und somit der Kapitalismus) in den heutigen Wirtschaftssystemen, durch staatliche Interventionen in weiten Bereichen entweder gänzlich ausgeschaltet oder aber in seiner Funktionsweise massiv eingeschränkt ist. Oder ist es nichts weiter als ein Zufall, dass wir ausgerechnet im weltweiten Geldsozialismus, dem verstaatlichten Geld- und Zentralbankwesen, einem Bereich, in dem die Marktwirtschaft weltweit völlig ausgeschaltet worden ist, massivste Störungen und Turbulenzen erleben? Die jährlichen Kostenexplosionen im weitestgehend marktbefreiten Gesundheitswesen, ebenfalls nichts weiter als ein Zufall? Die Arbeitslosenheere in den mit staatlichen Interventionen überzogenen Arbeitsmärkten? Ein bedauerlicher Betriebsunfall? Gigantische Lebensmittelvernichtungsaktionen in den hochsubventionierten Agrarmärkten? Marktversagen, was sonst? Ständiger Wohnungsmangel in Ländern mit staatlich verordneten Mietpreisbindungen? Eine kapitalistische Verschwörung? Dagegen Autos, Computer- und Unterhaltungselektronik von bester Qualität zu ständig sinkenden Preisen von profitablen Unternehmen in Märkten, die noch halbwegs dem Wettbewerb überlassen sind? Hunderte von Millionen Menschen in Asien, die nicht mehr ständig vom Hungertod bedroht sind, seit ihre sozialistischen und kommunistischen Regierungen die Daumenschrauben auf dem Weg ins Arbeiterparadies nur minimal gelockert und etwas mehr Markt zugelassen haben?
Fühlen ist zwar einfacher als denken, liebe Schwester Alma Pia, aber manchmal sollte man es trotzdem versuchen. Mit hochachtungsvoller Respektlosigkeit.

Hans Mechnig,
Tröxlegass 46, Schaan

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