Leserbrief

Ökumene setzt gelebten Glauben voraus

Sr. Alma Pia, ASC,Kloster St. Elisabeth, Schaan | 24. Januar 2015

Glaube

H. Meier, der 12 Jahre Präsident des Zentralkomitees deutscher Katholiken war, schrieb: «Nur das unverkürzte Evangelische, Katholische und Orthodoxe kann wirklich in den Dialog eingehen ... Wenn uns die Ökumene am Herzen liegt, müssen wir katholischer, evangelischer, rechtgläubiger (=orthodoxer) werden; Ökumene ist in der Mitte des christlichen Bekenntnisses selbst.»
Was aber ist christlich? Jemand definierte es so: «Ein Christ ist ein Mensch, der Jesus nachfolgt, indem er/sie den Willen Gottes tut.» Laut Mt 25, 34ff wird uns Gott im Weltgericht nicht fragen, ob wir gekonnt über den Glauben geredet, treu die Eucharistiefeier besucht und den Rosenkranz gebetet haben, sondern nur, ob wir ihm in den Menschen in Not gedient haben. Das gilt für Christen und Nichtchristen, weil Gott allen ein unzerstörbares Gewissen ins Herz gepflanzt hat. Natürlich haben die Christen in der Bibel, im Leben Jesu, in den Sakramenten ganz kostbare Hilfen und Wegweiser, aber weil sie nach dem Bild Gottes frei sind, «richtet» sie Gott nur nach ihren «freien Taten». Und natürlich: Wem Gott mehr gegeben hat, von dem wird Er auch mehr verlangen. Vorbild und verfügbare Mittel, den Willen Gottes zu erkennen, sind sicher wichtig, aber den Ausschlag gibt die freie Entscheidung des Menschen. Der Verfasser des Johannesbriefes und der heilige Augustinus wagten sogar zu schreiben: «Antichristen = Christus-Gegner gibt es auch innerhalb der Kirche!»
Kürzlich hat mich ein handgeschriebenes Gebet im Gesangbuch beeindruckt, gefreut und überzeugt: «Herr, gib mir ein Herz, das die Freude sucht und sie doch nicht festhalten will; das verzichten und teilen kann und das sein Glück in der Freude der anderen findet.»

Sr. Alma Pia, ASC,
Kloster St. Elisabeth, Schaan

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