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Leserbrief

Man muss den Raben fragen

Jo Schädler,Eschnerstrasse 64, Bendern | 21. Januar 2015

Grüne Woche in Berlin

Mit der Natur nehmen wir es oft nicht so genau. Schwarze Vögel gelten bei uns nur als Rappen, die uns die Türkenkörner wegfressen, bevor sie keimen. Aber es gilt zu unterscheiden, zwischen diesen Türkenkörner fressenden Krähen, die bei uns häufig sind, die selteneren Nebel- und Saatkrähen und die fast ausgerotteten Kolkraben. Mit zu der Rabenfamilie gehören auch die Bergdolen und die verstohlenen Elstern. Allen gemein ist ihre Schlauheit, und bei den Krähen sind zudem ihre Flugkünste zu bewundern. Aber wenden wir uns lieber der Sache zu – die da ist: Frau Marlies Amann, Ministerin im Mysterium für Infrastruktur, Umwelt und Sport, kommt in Sachen Flugkünsten dem Rapp schon sehr nahe – wenn sie auch noch Türkenkörner von den frisch gesäten Feldern picken würde, wäre sie mit den, vor allem bei Bauern unbeliebten, Rappen beinahe im Gleichklang. Fliegt sie doch schnell nach Lima zur Klimakonferenz, um ebendort der Bauern Saat wie Feld und die ganze Welt grad auch noch zu retten. Kaum gelandet, steht sie schon wieder eines Flämmleins wegens auf dem Flughafen Altenrhein und, zack!, ist sie auch schon in Berlin. Von der vielen Fliegerei zusätzlich berauscht, lässt es sie sich nicht nehmen, den Humpen Brauhausbier in die Linse des Fotografen zu schwenken, wobei wir beim Kern des Übels wären: Ist es nun wirklich nicht möglich, bei einem offiziellen Anlass dieses Saufritual wegzulassen? Muss denn mit aller «Herrgotzgewalt» immer ein Glas Alkohol im Spiel sein? Also bei der Messe in Berlin verstehen wir das ja. Denn dort will unser staatlicher Bierbrauer Umsatz machen dürfen. Wobei unser Auftreten dort nüchtern ja nicht zu bewältigen war. Oder wie kann man es sonst begreifen, dass unseren Marketingstrategen nichts anderes einfällt, wie der deutschen Biernation zu zeigen, dass auch wir ein Bier brauen können und es auch bei uns Käse und Hühnereier gibt? Wollte man dort beweisen, dass wir, hochindustrialisiert mit mehr Arbeitsplätzen wie Einwohnern, im Grunde doch die herzigen Bauernbübchen wie bei Johanna Spyri geblieben sind? Und wenn uns die Rappen nicht alle Türkenkörner wegfressen, wir auch in Zukunft den Riebel als kraftspendendes Nationalgericht in Ehren und auf dem Teller erhalten werden? Und glaubt denn FL Marketing, dass durch ihren Messeauftritt der deutsche Mann wieder sein Geld zu uns Bauernlackeln tragen wird? Es blieb, den klugen Raben zu befragen, der dann sprach: Lass doch Marlies in die Ferne fliegen, denn das Unbegreifliche liegt so nah!

Jo Schädler,
Eschnerstrasse 64, Bendern

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