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Leserbrief

Der Papst und seine Weltanschauung: Die Jesuiten

Víctor Arévalo, Univ.-Prof. Dr. iur.,Auring 56, Vaduz | 15. Januar 2015

Glaube

Frage an den Papst: «Was für Sinn hat die Gesellschaft Jesu?» Der Papst: «Die Gesellschaft Jesu befindet sich stets radikal in Unrast. Der Jesuit ist dezentriert. Die Gesellschaft Jesu ist ebenso dezentriert. Im Zentrum stehen Jesus und seine Kirche. Dieses Zentrum verleiht dem Jesuiten genug Ausgeglichenheit, um an den Rändern der Schöpfung zu existieren.
Kontemplatives Handeln wird zum Vehikel aller Entschlüsse, wie es uns die Exerzitien Ignatius beibringen. Dass die Gesellschaft Jesu, wie es ihr Dasein verlangt, immerzu dezentriert fortlebt, macht die Jesuiten stark, weil die Gewissensrechenschaft dafür sorgt, dass sich alle Ordensmitglieder ihren Missionen vollkommen zuwenden. Gerade darin liegt der Sinn der Gesellschaft! Der Jesuit muss in der grös-seren Ehre Gottes aufgehen. Seine Zukunft wird erfüllt, wenn er sich völlig diesem Werk widmet. So ergreift uns die Unrast, die uns stets begleitet. Wir sind Mystiker und erleben die Kirche wie Ignatius als Volk Gottes. Dies führt zu Konflikten, wie die Geschichte unserer Missionen in China, Indien und Paraguay lehrt. Auch in jüngster Zeit und innerhalb der vatikanischen Kurie mussten wir Konflikte durchleiden. Als zwischen Papst Johannes Paul II. und den Jesuiten der Streit um Gelübde und Gehorsam entbrannte, erinnere ich mich, wie unser Generalvater, Pedro Arrupe, nach Art der Japaner am Boden sitzend tagelang im Gebet beharrte, bis ihm die richtigen Entscheidungen begegneten.»
Pedro Arrupe SJ, ein 58-jähriger Jesuit aus Baskenland, wurde 1965 Generalvater der Gesellschaft. Seine Ähnlichkeit mit Ignatius, auch ein Baske, war auffallend. Noch auffallender war aber, dass er sich bald als ein Ignatius II. zeigte und der Gesellschaft den Geist der Gründerzeit zurückgab. Zum deutschen Katholikentag 1972 brandmarkte Pedro Arrupe die Armut als Grundübel der Menschheit und als Erzfeindin des Glaubens, sodass, diese zu bekämpfen, als höchste Priorität aller Ordensmitglieder gelten musste. Hingegen beschuldigte Johannes Paul II. Atheismus und Kommunismus des Elends dieser Welt unmittelbar nach seiner Wahl als Papst am 16. Oktober 1978. Diese abweichenden Meinungen riefen wegen des Kalten Krieges einen ernsten Konflikt auf.
Am 13. Mai 1981 geschah das Attentat gegen Johannes Paul II.; am 7. August 1981 erlitt Pedro Arrupe einen Schlaganfall und erholte sich nie wieder. Der Streit zwischen beiden Kirchenvätern blieb aus. Die Geschichte entschied allein, wer recht behalten sollte. Papst Franziskus und ein neuer Generalvater werden dieses Jahr den Entscheid in Taten umsetzen.
Mit freundlichen Grüssen

Víctor Arévalo, Univ.-Prof. Dr. iur.,
Auring 56, Vaduz

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