Leserbrief

Pro-Argumente scheinen jetzt schon auszugehen

Othmar Züger,Aeulegraben 32, Triesen | 12. Januar 2015

S-Bahn «FL-A-CH»

Im kürzlich veröffentlichten Leserbrief von P. Stopper zur S-Bahn «FL-A-CH» wird der angeblich nur mit diesem Bahnausbau ermöglichte Halbstundentakt als Errungenschaft in höchsten Tönen zusammen mit den vier Haltestellen in Schaanwald, Nendeln, Hilti-Forst und Schaan angepriesen. Heute schon aber verkehren zu den Stosszeiten am Morgen und Abend moderne Pendlerzüge beinahe im Halbstundentakt auf der Strecke Buchs-Feldkirch, dabei werden bereits fast dieselben vier bestehenden Haltestellen in Liechtenstein bedient. Die aktuelle Nutzung dieses Bahnangebots durch Pendler ist allerdings sehr dürftig, nicht selten kommt kaum mehr wie eine Handvoll Nutzer zusammen. Weshalb in Zukunft mit den in S-Bahn «FL-A-CH» unbenannten Zügen im Halbstundentakt es beinahe 10-mal mehr Nutzer geben soll, wie in den Planungsunterlagen der Regierung zu «FL-A-CH». angenommen wird, entzieht sich einer auf nachvollziehbaren Annahmen fussenden Vorstellungskraft. Die beiden entscheidensten Faktoren für die rege Nutzung des öffentlichen Verkehrs sind gute örtliche und zeitliche Erreichbarkeit.
Mit den heutigen Busverbindungen auf dem Korridor zwischen den Landesgrenzen in Schaan und Schaanwald ist sowohl die gute örtliche Erreichbarkeit mit den 15 Bushaltestellen in hohem Mass gegeben, als auch mit dem bestehenden Halbstundentakt eine hohe zeitliche Verfügbarkeit. Nimmt man noch die ebenfalls im Halbstundentakt verkehrenden Buslinien 11 und 13 durch Eschen und Mauren hinzu, kommt man auf über 30 Haltestellen, die in diesem Korridor Nutzer-bedürfnisnah und auf direktem Weg bedient werden. Die S-Bahn kann hingegen nur die 4 obgenannten Haltestellen mit je ihren näheren Umgebungen direkt abdecken. Mit dem S-Bahn «FL-A-CH»- Konzept wird offenbar davon ausgegangen, dass Ortsbusse die Nutzer erst mal von den Bushaltestellen zu den Bahnhöfen bringen, von wo sie dann nach dem Umsteigen in die S-Bahn «FL-A-CH» ihre Fahrt fortsetzen werden. Zum Beispiel müsste dann für eine Fahrt von Nendeln Oberwiesen nach Vaduz erst ein Ortsbus nach Nendeln Bahnhof genommen (oder ein 10-Minuten-Fussweg dahin gemacht) werden, von da würde man nach Umsteigen mit der S-Bahn nach Schaan fahren, und dann nach erneutem Umsteigen mit dem Bus nach Vaduz kommen. Für diese Fahrt mit 2-maligem Umsteigen müsste mit jeweiligem Anschlusswarten mit schätzungsweise sicher 40 Minuten Reisezeit gerechnet werden. Für dieselbe Fahrt mit dem Bus der Linie 13 hat man heute aber ganze 20 Minuten, ohne Umsteigen, mit bereits bestehendem Halbstundentakt. Ob mit solchermassen «verbessertem» öffentlichem Verkehrsangebot nicht genau das Gegenteil der angepriesenen Verkehrslösung erreicht wird, nämlich ein Zurück-Umsteigen auf das Privatauto, sei dem Leser überlassen. Auf die in seinem Leserbrief gemachten persönlichen Unterstellungen von P. Stopper gegenüber dem Verfasser von Denkanstössen zu möglichen alternativen Bahnkonzepten soll hier gar nicht erst eingegangen werden, sie verraten jedoch eindrücklich, in welch hohem Argumentationsnotstand sich gewisse Befürworterkreise der S-Bahn «FL-A-CH» offenbar jetzt schon befinden.

Othmar Züger,
Aeulegraben 32, Triesen

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