Leserbrief

Glück ist gratis, aber …

Sr. Alma Pia, ASC,Kloster St. Elisabeth, Schaan | 10. Januar 2015

Glaube

Zum jungen Jahr wünschten wir einander viel Glück. Es fällt uns selten in den Schoss. Ich muss ständig vieles loslassen, mich vergessen, andere glücklich machen, damit Gott mich glücklich machen kann. Im Denken, Reden und Tun muss ich Wertvolles sammeln und verschenken. Mir fällt die Geschichte vom Korb ein: Auf meinem Lebensweg gehe ich wie durch einen Obstgarten: Ich sammle Äpfel, esse davon und verschenke den Rest, um Raum zu haben für Birnen. Das Gleiche tue ich mit den Birnen, um Zwetschgen zu pflücken, zu essen und zu verschenken, und zuletzt die Nüsse. Einsammeln und verschenken macht frei und froh, Jahr für Jahr. Wenn ich dann am Ende des Lebens mit dem leeren Korb vor Gott erscheine, wird er mich in die Fülle des Lebens einladen.
Es ist wie die Ernte in der Natur! Die Mähmaschine hinterlässt ein Stoppelfeld, aber aus Gras wird Heu, aus Korn Brot; die Traube wird zum Wein.
Wandlung gehört zur Reifung, Loslassen zum Bewahren. Wer an seiner Rolle festhält, wird sich selbst untreu. Das Kind fragt rastlos Warum? und lernt so leben und handeln. Der Erwachsene muss fragen: Wozu? Br. Meinrad, OSB, fragte: «Was nützt mir das für die Ewigkeit?»
Eine russische Weisheit erzählt: Ein Reicher stirbt, nimmt sein Geld mit und sieht den Himmel voller Köstlichkeiten. Auf seine Frage, was dies­ und jenes kostet, antwortet der Engel: «Einen Rappen.» Der Reiche hat nur Goldstücke. «Kann ich zurück auf die Erde?» «Sicher!», antwortet der Engel. Als der Reiche mit vielen Rappen zurückkehrt und wieder einkaufen will, erwidert der Engel: «Hier gilt nur das auf Erden verschenkte Geld.»

Sammeln wir uns also Schätze für den Himmel! Gönnen wir uns diese Freude jeden Tag!

Sr. Alma Pia, ASC,
Kloster St. Elisabeth, Schaan

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