Leserbrief

«S-Bahn FL-A-CH würde auf viel Unverständnis stossen»

Hans Frommelt,Gapont 8, Triesen | 8. Januar 2015

Verkehrspolitik

Der VCL bezieht Stellung zum Ausbau der Bahn als Rückgrat des öffentlichen Nahverkehrs in unserem Land. Dies als Richtigstellung von diversen Leserbriefen zum geplanten Doppelspurausbau zwischen Tisis und Nendeln für die S-Bahn ­«FL–A–CH». Heute: Reduktion der Anzahl Ferngüterzüge.
Bei Doppelspurausbau zwischen Tisis und Nendeln werden mit der S-Bahn «FL–A–CH» im Halbstundentakt nach Betriebsplan der ÖBB zwar etwas mehr Güterzüge verkehren als heute. Aber eben deutlich weniger als ohne Bahn-Ausbau, da der Personen-Nahverkehr die Schienenkapazität belegt. Auch in der Nacht sind es mit Bahnausbau nur etwa halb so viele wie ohne Doppelspur. Ohne Bahnausbau werden es deutlich mehr sein, weil dann Schienenkapazitäten frei sind. In den zur UVP für die S-Bahn «FL–A–CH» eingereichten Unterlagen finden sich relevante Zahlen, die auch den Abgeordneten bekannt sein sollten.
Das ÖBB-Betriebsprogramm 2015 (also vor Realisierung von «FL–A–CH») sieht an Werktagen ohne Samstag folgende Ferngüterzüge vor: 12 (Tag), 2 (Abend), 3 (Nacht), total 17. Im Vergleich dazu fuhren im Jahr 2010: 9 (Tag), 2 (Abend), 2 (Nacht), total 13 Ferngüterzüge.
Für das Jahr 2025 sieht der Betriebsplan der ÖBB an Werktagen ohne Samstag folgende Ferngüterzüge vor: Ohne Ausbau der Infrastruktur: 23 (Tag), 5 (Abend), 13 (Nacht), total 41. Bei Realisierung der S-Bahn «FL–A–CH»: 17 (Tag), 4 (Abend), 7 (Nacht), total 28.
Entgegen oft geäusserten falschen Behauptungen werden bei Realisierung der S-Bahn «FL–A–CH» deutlich weniger Güterzüge durch unser Land rollen als ohne Doppelspurausbau.

VCL Verkehrs-Club Liechtenstein

Das «Volksblatt» hat kürzlich die «FL–A–CH»-Thematik bzw. das S-Bahnprojekt Liechtenstein auf der Titelseite aufgegriffen. Der Beitrag wurde mit einem Bild der projektierten Infrastrukturmassnahmen zwischen Feldkirch und Buchs hinterlegt. Die Nordeinfahrt beim Bahnhof Feldkirch und Südeinfahrt beim Bahnhof Buchs, ein Relikt aus dem Jahre 1972, soll bestehen bleiben. Das «Volksblatt» meint, dass es auch um eine langfristige Weichenstellung für die künftige Erreichbarkeit Liechtensteins im internationalen Verkehrsbund geht.
Der Kanton Graubünden, der Kanton St. Gallen, auch Bayern machen sich diesbezüglich ebenfalls Gedanken. Nur geht es da weniger um Liechtenstein mit seinen 37 000 Einwohnern. Man macht sich unter anderem Gedanken darüber, wie man Graubünden und das Rheintal, auch Vorarlberg besser und schneller an die Metropolitanräume, bzw. riesigen Wirtschafträume München, Augsburg, Nürnberg, auch Warschau und Prag anbinden kann.
So liess vor ein paar Jahren die Regierung des Kantons Graubu¨nden prüfen, inwieweit innovative Verkehrsverbindungen auf der Schiene die Erreichbarkeit des Kantons Graubu¨nden verbessern und die Standortattraktivita¨t gewahrt bzw. erho¨ht werden kann. Vor diesem Hintergrund hat das Bau-, Verkehrs- und Forstdepartment des Kantons Graubu¨nden das Ingenieurbüro Ernst Basler + Partner beauftragt, um einerseits die Idee einer neuen Alpentransversale durch Graubünden nach Italien sowie unter anderem die Verbesserung der Bahnstrecke zwischen Chur und München zu untersuchen.
Der Titel des Schlussberichtes mit rund 65 Seiten lautet «Verbesserung der Anbindung Graubu¨ndens an die schweizerischen und europa¨ischen Metropolitanregionen auf der Schiene» und kann auf http://www.gr.ch/DE/institutionen/verwaltung/bvfd/ds/projekte/nvv/Berichte%20NVV/Neue%20Alpentransversalen.pdf nachgelesen werden.
Anstelle des Eintippens der Web­adresse genügen auf Google die Stichworte: «Graubündens Metropolitanregionen Schiene» und schon hat man den Bericht.
Das Ziel ist ein direkter Schnellzug zwischen Chur und München mit wesentlich kürzeren Fahrzeiten. Es geht da auch um eine S-Bahn bzw. Durchmesserlinienbahn zwischen Bregenz-Lindau nach Chur, also um eine Verbesserung der Verbindungen von Chur zum Bodenseeraum, zu Liechtenstein und Vorarlberg. Interessant sind nun die Bemerkungen zur «FL–A–CH» bzw. Liechtensteiner S-Bahn.
Gemäss der im Abschlussbericht vorgelegten Streckenführung, Seite 30, würde die «FL–A–CH» komplett falsch in der Landschaft liegen (siehe Grafik). In Feldkirch sollte eine Südeinfahrt und in Buchs eine Nordeinfahrt favorisiert werden. Zudem ist denkbar, das Balzers-Mäls einen Bahnhof erhalten könnte.
Im Zusammenhang mit dem zitierten Abschlussbericht muss man sich schon fragen, was die «FL–A–CH» soll und ob da jemals solche Fragen und Antworten diskutiert wurden. Der Bericht ist nicht nur den Landtagsabgeordneten zum Studium zu empfehlen, sondern auch allen Stimmberechtigten, sollte es zur prognostizierten Abstimmung kommen.
Vom vorgelegten Konzept könnte auch Liechtenstein riesig profitieren. Eine «FL–A–CH» würde auf viel Unverständnis, von Chur bis München, stossen.

Hans Frommelt,
Gapont 8, Triesen

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