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Leserbrief

Gertrud Wanger †

| 5. Januar 2015

Schaan

Am 10. September vergangenen Jahres wurde unsere geschätzte Mitbürgerin Gertrud Wanger in der Pfarrkirche von Schaan von dieser Welt verabschiedet.
Gertrud war das erstgeborene Kind der Eltern Emil und Lena Meier, geborene Näscher. Sie erblickte das Licht der Welt am 8. Februar 1937. Zwei Brüder und eine Schwester vervollkommneten die Familie. Die Eltern betrieben damals in Nendeln einen Getränkehandel und einen Schuhladen. Die Kinder mussten schon in jungen Jahren im Geschäft mithelfen. Gertrud erlebte zusammen mit ihren Geschwistern trotzdem eine frohe Jugendzeit, von der sie auch ihren Enkeln gerne erzählte. Nach dem Besuch der Primarschule in Nendeln und der Realschule in Eschen wurde sie Familienangestellte im Geschäft der Eltern. Mit 20 Jahren ging sie als Au-pair-Mädchen für ein Jahr in die Grossstadt Paris. Dieser Wechsel vom vertrauten Nendeln nach Paris war für sie ein Kulturschock. Natürlich litt sie unter Heimweh aber später war sie froh und stolz, dieses Jahr erlebt und die französische Sprache gelernt zu haben. Danach arbeitete sie als Zahnarztgehilfin bei ihrem Onkel Richard Meier in Schaan.
Im Jahre 1962, bei einem Wohltätigkeitsbasar, lernte Gertrud Harald Wanger aus Schaan kennen. Die Zuneigung beruhte auf Gegenseitigkeit und am 22. April 1963 gaben sich die beiden in der Sebastians-Kapelle von Nendeln das JaWort. Im Jahre 1964 wurde Sohn Christoph geboren, 1965 Martin, 1968 Georg und im Jahre 1970 Tochter Regina, was das Familienglück komplett machte. Gertrud war eine glückliche, liebevolle Mutter, die sich voll und ganz für ihre Familie einsetzte.
Nachdem die Familie die ersten Jahre in Nendeln wohnte, zogen sie im Jahre 1969 in das Elternhaus von Harald nach Schaan um. Harald war als Primarlehrer tätig und erhielt 1978 den Auftrag, ein neues Geschichtsbuch über Liechtenstein zu verfassen. Nebenher war er auch als Organist tätig. Sein eigentliches Lebenswerk war jedoch die Erforschung von Leben und Werk des liechtensteinischen Komponisten Josef Gabriel Rheinberger. All dies bedingte, dass er sehr oft von zu Hause abwesend war. Gertrud war umso mehr die Hauptperson in der Familie. Ihr Lebensinhalt war das Wohlergehen der Kinder, um ihnen einen guten Start in die Selbstständigkeit zu bereiten, wobei sie ihr Mann Harald sehr unterstützte. Alle vier Kinder genossen eine gute Ausbildung und zogen nach und nach von zu Hause aus. Gertrud hatte einige Mühe damit, die Kinder gehen zu sehen. Familienfeste bei Geburts- oder Feiertagen, wo alle Familienmitglieder zusammenkamen, waren danach von grosser Wichtigkeit für sie. Bald kamen Enkelkinder zur Welt, was Gertrud besondere Freude bereitete, zehn Enkelkinder, fünf Knaben und fünf Mädchen, denen sie nun ihre Zeit und Liebe schenkte. Zusammen mit ihrem Mann Harald, der im Jahre 1998 pensioniert wurde, unternahm sie interessante Ausflüge und Reisen, die oft mit der Forschungstätigkeit von Harald zusammenhingen. Ende der 1970er-Jahre wurde der Schaaner Laurentiuschor gegründet, bei dem Gertrud seit Beginn aktives Mitglied war. Die Gesangsproben und die Auftritte vor allem in der Pfarrkirche bereiteten ihr immer grosse Freude. Im Jahre 2003 wurde bei Gertrud ein Tumor festgestellt. Als tiefreligiöser Mensch nahm sie diese Diagnose mit grosser Fassung an – ohne zu wissen, was ­dies für ihr zukünftiges Leben bedeutete.
Bereits gezeichnet von ihrer Krankheit nahm sie zum zweiten Mal in einer Pilgergruppe den Jakobsweg unter die Füsse. Die zweite Wanderung, bei der sie während zweier Wochen unterwegs war, endete in der Kathedrale von Santiago de Compostella in Spanien.
Das Jahr 2011 war für Gertrud besonders leidvoll. Anfang Januar verstarb ihr jüngster Bruder Werner unerwartet an einem Herzinfarkt. Eine Woche danach verstarb ihr Mann Harald an einem Tumor. Diesen Schicksalsschlag zu überwinden, fiel Gertrud besonders schwer.
Ihre Krankheit bedingte immer wieder Behandlungen und Therapien. Dank ihrer Zuversicht und dem Glauben an Gott konnte sie trotzdem ein eigenständiges Leben führen. Ihre Enkel erhellten ihr Leben, denen sie eine herzensgute Nana war.
Im Laufe des Sommers verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand zusehends. Sie musste ins Betreuungsheim St. Laurentius in Schaan verlegt werden. Hier konnte ihr die Rundumbetreuung gewährt werden. Sie war sich bewusst, dass ihr Lebensweg zu Ende ging. In aller Gelassenheit und Ruhe nahm sie Abschied nicht nur von den Angehörigen. Bereits schon sehr geschwächt wollte sie auch noch einmal nach Nendeln, um sich dort zu verabschieden.
Am Samstag, den 6. September, schlief Gertrud im Beisein ihrer Angehörigen friedlich ein. Eine bescheidene, liebenswerte Frau ist von uns gegangen.
Wir entbieten den Angehörigen und allen, die um Getrud trauern, unser aufrichtiges Mitgefühl. Getrud möge ruhen im Frieden des Herrn.

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