Leserbrief

«Der Papst und seine Weltanschauung, der Karneval ist vorbei!»

Víctor Arévalo, Univ.-Prof. Dr. iur.,Auring 56, Vaduz | 3. Januar 2015

Glaube

Papst Paul VI. hatte den 1. Januar zum Weltfriedenstag erklärt. Was bahnt ihm den Weg? Nicht die Friedensschlüsse der Sieger. Ursache der Kriege ist Hass oder Gier, Friedensschluss der Sieger gebiert den Hass der Besiegten – und neue Kriege.
Ich jubelte, als ich im kroatischen «Dnevnik» las, Prinz El Hassan Bin Talal von Jordanien habe im Interview mit Radio Vatikan am 11.11.2014 durch konkrete Vorschläge für eine enge Zusammenarbeit der Muslime mit den Christen geworben. Er weiss: «Das Leiden der Christen schadet auch uns ...»
Jordanien, wo Muslime und Christen auch heute friedlich zusammenleben, hat inzwischen über 1,5 Millionen Flüchtlinge aus Syrien und Irak aufgenommen – Christen und Muslime, die den IS (Islamischer Staat) ablehnen.
El Hassan betonte das Recht auf Religionsfreiheit und Religionswechsel, sonst hätten alle keine Zukunft. Den «hl. Krieg» nannte er eine Lüge. Er rühmte die humanitäre Hilfe der Christen, wo ein Heer von Freiwilligen und medizinische Fachleute den Flüchtlingen aller Religionen helfen.
Dann riet er, alle Glaubensrichtungen der Muslime: Schiiten, Sunniten … sollen in Mekka einen Rat bilden «wie im Vatikan. Das würde die wichtigste Grundlage schaffen für die Gespräche mit dem Vatikan und anderen heiligen Zentren des Glaubens. Ohne diesen Dialog … verliert Mekka seine Symbolkraft». Bin Talal fordert, dass auch Muslime nach dem Vorbild der Christen Caritaszentren gründen und Geld für Flüchtlinge sammeln: «Vergessen wir nicht, mahnte er, dass 70 Prozent aller Flüchtlinge Muslime sind!»
Ende Dezember wollte sich der Prinz mit Gesandten muslimischer Regierungen im Vatikan zum interreligiösen Dialog treffen. Glaube, Hoffnung und barmherzige Liebe sind wirksamste Friedensstifter.


Sr. Alma Pia, ASC,
Kloster St. Elisabeth, Schaan

Frage an den Papst: «Warum der Entschluss, Jesuit zu werden?» Der Papst: «Dazu bewegten mich der Sendungscharakter, die Disziplin, die Kunst, mit der Zeit umzugehen, und der Gemeinschaftssinn unseres Ordens. Ich brauche Gemeinschaft. Ein Nein stach in mich, als ich im Apostel-Palast das Papst-Appartement besuchte. Es ist ein Trichter. Nichts für mich! Daher bin ich in Santa Marta.»
Weiter: «Was bedeutet es für einen Jesuiten, Papst zu sein?» Jorge: «Die Lehre Ignatius in Taten zu verwandeln, heisst es. Als Geleit dient sein Unterscheidungsprinzip: Lasse dich nicht vom Grössten begrenzen! Wende dich dem Kleinsten zu! Strebe kein Grosses an! Konzentriere dich auf das Kleine! Um solches auf das Regieren zu übertragen, muss ein Papst so handeln, dass er Grossem keine Grenzen setzt und Kleines tunlichst beachtet. Dies heisst Grossmut. Ich richte meinen Blick nach dem Unendlichen, um die kleinen Dinge des Alltags gegenüber Gott und meinen Mitmenschen offenherzig zu vollbringen. Im Endlosen die kleinen Dinge aufzuwerten, zeichnet das Reich Gottes aus. Dieses zu erkennen, führt zur Haltung, die uns die Dinge Gottes aus seinem Gesichtspunkt wahrnehmen lässt. Es ist möglich, grosse Werke vorzuhaben und sie durch schwache Mittel, die sich wirksamer als die Stärksten erweisen, auszuführen. Das Unterscheidungsprinzip Ignatius rottet die Zweideutigkeit aus und verleiht mir die Mittel des Handelns, die nicht immer mit solchen, die gross und stark erscheinen, identisch sind. Unser Stil ist die Unterscheidung und die Diskussion dient nur als Vorstufe.»
Anderthalb Jahre nahm sich der Papst für solche Vorstufe, die Diskussion des Umbruchs, den der Vatikan durchmachte, um erst dann auf die Schlüsse, die sich aus dieser ergaben, das Unterscheidungsprinzip Ignatius anzuwenden, zwecks gründlichst die vatikanische Kurie bis ins Kleinste während der nächsten zwei Jahre zu säubern. Die Rede an diese Kurie am 22. Dezember 2014, um solche auf die Wende einzustimmen, zeigt den Anfang des Vollzugs auf. Von den 15 Geisteskrankheiten, die der Papst darlegt, muss er die Kurie befreien. Grundgebrechen sind die spirituelle Demenz, ein Versinken kraft Selbstsucht in den Morast des eigenen Ichs, und die existenzielle Psychose, ein Doppelleben zwischen einer erheuchelten Frömmigkeit und einem verworfenen Lebenswandel. Damit bestätigt der Papst, was er unmittelbar nach der Wahl sagte: «Der Karneval ist vorbei!» und kündigt an, dass die Unterscheidung der Geister bezüglich der vatikanischen Kurie im Sinne Ignatius weiter läuft.

Víctor Arévalo, Univ.-Prof. Dr. iur.,
Auring 56, Vaduz

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